Papillon Filmkritik

Papillon Kritik der neue Film von Michael Noer mit Charlie Hunnam und Rami Malek

Filmkritik von

„Papillon“: Charlie Hunnam macht auf Steve McQueen

Die Lebensgeschichte von Henri Charriére alias Papillon wurde schon einmal im Jahr 1973 verfilmt – damals mit Steve McQueen in der Titelrolle und mit Dustin Hoffman als seinem Freund. Von diesem Film war auch Produzent Joey McFarland begeistert, las aber auch den Roman, sowie das Sequel „Banco“, das sich mit Papillons Leben vor und nach dem Gefängnis befasst. Letzteres kommt in der neuen Verfilmung gar nicht zum Tragen – und auch das Vorleben wird nur gestreift.

Filmfoto: PapillonDer Dieb Papillon (Charlie Hunnam) wird wegen eines Mordes, den er nicht begangen hat, angeklagt und verurteilt. Man deportiert ihn in ein Gefängnis in Französisch-Guayana, wo er den Fälscher Dega (Rami Malek) kennenlernt. Der hat Geld, aber kaum eine Chance, in diesem Gefängnis zu überleben. Also schlägt Papillon ihm einen Deal vor: Er wird ihn beschützen, aber dafür muss Dega seine Flucht finanzieren.

Es ist immer schwierig, einen ganz großen Klassiker neu zu verfilmen. Sicherlich hilft es, wenn 45 Jahre dazwischen liegen, weil sich auch Sehgewohnheiten des Publikums ändern, aber wenn die Vorlage derart bedeutungsschwer über jeder Neuauflage schwebt, ist das eine Herausforderung, die nur schwer zu meistern ist. Immerhin kann man dem neuen PAPILLON aber attestieren, dass hier eine dichte Erzählung zustande kam, die sich auf die Gefängnisjahre konzentriert und das Leben in dieser Hölle auf Erden greif- und spürbar auferstehen lässt.

Filmfoto: PapillonDabei profitiert der Film von einem hervorragenden Charlie Hunnam, der zwar (noch) nicht das Charisma eines Steve McQueen hat, aber mit Körpereinsatz diese Rolle sich wirklich zu eigen macht. Besonders merkt man dies in der langen Sequenz, in der Papillon über zwei Jahre hinweg in Einzelhaft einsitzt und zum Schweigen verdammt ist. Hunnam ist hager und abgemagert, man sieht ihm an, wie seine Figur sich fühlen muss. Das ist eine körperliche Leistung, aber auch die schauspielerische ist nicht zu unterschätzen. Hunnam spielt stoisch, lässt aber auch die Moral der Figur immer wieder durchscheinen.

So bunt und farbintensiv wie das Original ist das Remake nicht. Hier setzt man auf natürlichere Farben, die auch die flirrende Hitze Französisch-Guayanas gar nicht so sehr in den Vordergrund rückt. Die Sets und Locations sind ausgezeichnet, der Dreck und die primitiven Lebensbedingungen werden authentisch dargestellt. Dies ist ein Gefängnis, neben dem die Zuchthäuser anderer Filme fast schon wie Ferienlager anmuten.

Filmfoto: PapillonPAPILLON wartet mit einem durchweg überzeugenden Ensemble auf. Hunnam führt es an, aber auch Rami Malek als schwächlicher Dega ist überzeugend – das so sehr sogar, dass sich die Leben der beiden Männer im Grunde wirkungsvoll kontrastieren. Wo der eine dem Wahnsinn verfallen sollte, hat man das Gefühl, dass es dem anderen passiert ist. Das Ende ist dabei interpretierbar und derart, dass man lange über die Entscheidung von Papillons Freund nachdenken kann.

Das Remake ist eine gute Neuinterpretation des Stoffs, allerding kann man sich des Gefühls nicht erwehren, dass dieser Film dennoch nicht sein Publikum finden wird. Es ist fast 50 Jahre her, dass Charriéres autobiographischer Roman zum Erfolg geworden ist. Für ein modernes Publikum ist PAPILLON so weit entfernt wie Französisch-Guayana von Frankreich.

Kritik: Peter Osteried

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