Overboard Filmkritik

Overboard Kritik der neue Film von Bob Fisher (VII), Rob Greenberg mit Eugenio Derbez und Anna Faris

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Nicht schwimmtauglich

Auf der Suche nach potenziellen Kassenhits drehen Hollywood-Produzenten jeden noch so kleinen Stein um und suchen mit Begeisterung nach alten Filmen, denen man einen Neuanstrich verpassen kann. Dass dabei nicht nur große Klassiker von Interesse sind, zeigt die romantische Komödie „Overboard“, die das Konzept des unterhaltsamen, aber sicher nicht grandiosen 80er-Jahre-Streifens „Overboard – Ein Goldfisch fällt ins Wasser“ auffrischt. Goldie Hawn und Kurt Russell waren darin als verwöhnte Millionärin und alleinerziehender Handwerker zu sehen und fanden – begünstigt durch einen temporären Gedächtnisverlust –auf ungewöhnliche Weise zueinander. TV-Regisseur Rob Greenberg, der unter anderem einige Episoden der Erfolgsserie „How I Met Your Mother“ inszenierte, vertauscht in seinem Remake die Geschlechter der Figuren und gibt dem Ganzen einen Latino-Anstrich, liefert unter dem Strich aber ein erschreckend witzloses Intrigenspiel ab.

Filmfoto: OverboardDreifachmama Kate (Anna Faris) hat alle Hände voll zu tun. Tagein, tagaus muss sie sich um ihre Kinder kümmern, ihre Ausbildung zur Krankenschwester vorantreiben und mit mehreren Jobs jonglieren, um ihre Familie über die Runden zu bringen. Als sie auf der Luxusjacht des mexikanischen Unternehmersohnes Leonardo Montenegro (Eugenio Derbez) putzen soll, platzt ihr der Kragen, da der arrogante Bootsbesitzer sie wie eine Leibeigene behandelt. Genervt von ihren Protesten, wirft der rücksichtslose Playboy die Putzkraft und ihr Equipment einfach über Bord, was Kate noch mehr erzürnt. Nur wenig später widerfährt Leonardo allerdings ein ähnliches Schicksal. Mitten in der Nacht stürzt der Lebemann ins Wasser und wird schließlich ohne Erinnerung an sein früheres Dasein an einen Strand gespült. Nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus nutzt seine intrigante Schwester Magdalena (Cecilia Suárez) die Gunst der Stunde und lässt ihren Bruder kurzerhand für tot erklären, um sich so die Leitung des familieneigenen Konzerns zu sichern, die der erkrankte Patriarch (Fernando Luján) in neue Hände geben will. Durch die Medien erfährt Kate von Leonardos Unglück und wird von ihrer Freundin Theresa (Eva Longoria) überredet, sich als seine Ehefrau auszugeben. Mithilfe gefälschter Papiere holt sie den reichen, vollkommen verwirrten Schnösel aus der Klinik in sein angebliches Zuhause. Dort soll er putzen, kochen und die Kinder umsorgen, sodass sich Kate in aller Ruhe auf ihre Prüfung zur Krankenschwester konzentrieren kann.

Bei Licht betrachtet wirkte schon Garry Marshalls Ursprungsfilm moralisch etwas fragwürdig, wenn man bedenkt, dass ein von Amnesie betroffener Mensch im großen Stil getäuscht und seiner Freiheit beraubt wird. „Overboard – Ein Goldfisch fällt ins Wasser“ schaffte es aber, nicht zuletzt dank der beiden Hauptdarsteller, die zweifelhafte Prämisse mit ausreichend Charme zu unterfüttern. Da in Greenbergs Remake keine besonders überzeugende Chemie zwischen Anna Faris und Eugenio Derbez zustande kommt und die langsame Annäherung der grundverschiedenen Protagonisten enttäuschend formelhaft verläuft, tritt das übergriffige Verhalten Kates hier stärker in den Vordergrund.

Filmfoto: OverboardNegativer als dieser Umstand stechen allerdings das Fehlen cleverer Gags, die platte Figurenzeichnung und manch haarsträubend konstruierte Wendung hervor. Eine erzählerische Bankrotterklärung ist beispielsweise der Weg zur Auflösung des Schwindels, bei dem Greenberg und Koautor Bob Fisher („Wir sind die Millers“) einen denkbar plumpen Zufall aus dem Ärmel schütteln. Vorhersehbar und uninspiriert präsentiert sich neben dem Drehbuch auch die Inszenierung, die schlichte Slapstick-Einlagen mit großer Komödienkunst verwechselt. Zum Lachen verleitet fast nur die übertrieben expressive Darbietung des mexikanischen Starschauspielers Derbez, die des Öfteren die Grenze zum Laientheater überschreitet.

Filmfoto: OverboardSo erfreulich es auch sein mag, dass ein lateinamerikanischer Mime in einer Hollywood-Produktion eine Hauptrolle bekleidet, so wenig interessiert sich „Overboard“ für den kulturellen Hintergrund Leonardos. Abgespeist wird der Zuschauer mit ausgelutschten Latino-Klischees und einigen augenzwinkernden Gesprächen über das Phänomen der Telenovela, das Greenberg offenbar als großes Vorbild diente. Seine auf der Zielgeraden künstlich in die Länge gezogene romantische Komödie ist eine banale Seifenoper mit mechanischen Gefühlsmomenten und schwachen Pointen, die sich das Etikett „Remake, das die Welt nicht braucht“ redlich verdient.

Kritik: Christopher Diekhaus

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