Licht Filmkritik

Licht Kritik der neue Film von Barbara Albert mit Maria-Victoria Dragus und Devid Striesow

Filmkritik von

Der Wunderdoktor und die blinde Pianistin

Dieser Kostümfilm spielt in Wien in der Ära des Spätrokoko, also zu Lebzeiten von Haydn und Mozart. Klassische Musik spielt darin eine wichtige Rolle, aber die Geschichte überrascht, weil sie nicht von der Liebe oder von Machtkämpfen in Adelskreisen handelt. Eine begabte junge Pianistin namens Maria Theresia Paradis (Maria Dragus) gibt 1977 ein Salonkonzert. Sie verdreht die Augen merkwürdig nach oben, lässt den Blick haltlos umherirren, weil sie nichts sieht. Resi, wie manche aus ihrem Umfeld sie nennen, erblindete bereits im Alter von drei Jahren und wird von Ärzten und Heilern mehr traktiert als kuriert, sodass sie diverse Beschwerden plagen.

Filmfoto: Licht©Christian SchulzIhre Eltern bringen die 18-Jährige zu Franz Anton Mesmer (Devid Striesow), einem deutschen Arzt, der in Wien Patienten mit der damals modernen Magnetkur behandelt. Allerdings behauptet Mesmer, nicht wie andere Magnetismus-Heiler auf Metalle als Hilfsmittel angewiesen zu sein. Er will ein sogenanntes „Fluidum“ entdeckt haben, dessen Energie er per Handauflegen auf die Patienten überträgt, oder sogar schon, indem er mit den Händen ihre Körper entlangfährt, ohne sie zu berühren. Überraschend fängt Theresia wieder zu sehen an, wenn auch unscharf und schwach. Der neue Sinn zeigt ihr eine Welt, die ihr schier unbegreiflich ist mit ihren Räumen, Figuren und Farben.

Basierend auf Alissa Walsers Roman „Am Anfang war die Nacht Musik“ erzählt die österreichische Regisseurin Barbara Albert von der Begegnung zweier historischer Persönlichkeiten, die zu ihrer Zeit für Furore sorgten. Maria Theresia Paradis ist als Pianistin und Komponistin heute zwar in Vergessenheit geraten, aber Mesmer gilt als einer der Väter der Psychotherapie. Ohne es selbst richtig zu verstehen, wendet er Suggestion und Hypnose an. Resi soll den Akademie-Ärzten, nach deren Anerkennung sich Mesmer so sehnt, ihre wiedergewonnene Sehkraft vorführen. Als ein junger Mann im Publikum dennoch bezweifelt, dass es ein Fluidum gibt, das stofflich nicht nachgewiesen werden kann, entgegnet Resi, aber die Seele gebe es doch auch.

Filmfoto: Licht©Christian SchulzFrisch und lebhaft lässt der Film seine beiden Hauptcharaktere agieren. Die Atmosphäre profitiert von einer Inszenierung, die dem historischen Stoff mit homöopathischen Verjüngungstropfen die Schwere nimmt. Devid Striesow spielt Mesmer als eine schillernde, eitle Persönlichkeit. Der Arzt will aber ernsthaft heilen und kümmert sich einfühlsam um seine junge Patientin. Der Gängelung ihrer Eltern entkommen, streckt Resi ihre Fühler in Richtung Leben aus. Maria Dragus verleiht ihr den Trotz und die Verlorenheit einer Außenseiterin, die sich nur am Klavier sicher fühlt. Resi bearbeitet die Tasten in Mesmers Salon manchmal mit einer Wildheit, die Grenzen sprengen will und mit der Entdeckungslust korrespondiert, von der die exotischen Wandmalereien im Raum künden. Manchmal mischen sich von draußen Vogelstimmen in ihre Musik, als wolle die Natur dieses erblühende Wesen umarmen.

Filmfoto: Licht©Christian SchulzAber Alberts Film behält die Borniertheit der damaligen Gesellschaft und ihre Hackordnung scharf im Visier. Für junge Frauen ist ein freier Blick weniger wichtig, als dass sie sich einordnen. Die junge Kammerzofe Agnes (Maresi Riegner) gar, mit der sich Resi gut versteht, erleidet das Schicksal zahlloser Dienstmädchen, die in der Not entdecken, dass sie rechtlos sind. Der Film betrachtet Resi und Mesmer jedoch, wenn sie an Grenzen stoßen, nicht als Opfer. Denn die Wunder, die das geistige Auge erspäht, gehören ihm für immer.

Kritik: Bianka Piringer

Ihr Kommentar: Licht

Hinweis: Verwenden Sie selbst geschrieben Texte und kopieren Sie keinen Text von fremden Quellen. Mit dem Absenden Ihres Kommentars versichern Sie uns, dass der von Ihnen übermittelte Text nicht von anderen Webseiten oder Büchern kopiert ist und keine fremden Rechte verletzt. Bitte geben Sie Ihren Namen und Ihre E-Mailadresse (wird nicht veröffentlicht) an. Beziehen Sie sich bei Ihrem Kommentar auf die gezeigten Inhalte. Wir behalten uns vor, Kommentare nicht freizuschalten bzw. zu löschen wenn diese gegen geltendes Recht verstossen, beleidigend, Persönlich verletzend oder unsachlich sind. Kritiken.de haftet nicht für den Inhalt von Nutzerbeiträgen und verweist auf die Eigenverantwortung der Nutzer für ihre Beiträge.

Bitte aktivieren Sie Javascript um die Kommentarfunktion nutzen zu können

Einloggen
Herzlich willkommen! Um die Community nutzern zu können, melden sie sich bitte hier mit ihren Zugangsdaten an:

Facebook Login
Noch einfacher, loggen sie sich einfach mit ihrem Facebook Account ein:


Mit einem Klick auf diese Schaltfläche "Mit Facebook einloggen" akzeptieren sie die Nutzungsbedingungen und die Diskussionsrichtlinien der Ideenkraftwerk GmbH. Sie garantieren das sie diese gelesen und gespeichert oder ausgedruckt haben.


Passwort vergessen
Wenn Sie ihr Passwort vergessen haben können sie hier ein neues anfordern, geben sie dazu ihre E-Mail adresse hier ein:

Neu registrieren
Sie haben noch keinen Account bei Kritiken.de? Dann registrieren sie sich jetzt kostenlos, um die Community zu nutzen!