Jurassic World: Das gefallene Königreich Filmkritik

Jurassic World: Das gefallene Königreich Kritik der neue Film von mit Bryce Dallas Howard und Chris Pratt

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Dinos am Scheideweg

Weit über 1,6 Milliarden Dollar spülte das von Colin Trevorrow („The Book of Henry“) inszenierte Dino-Abenteuer „Jurassic World“ 2015 in die Kinokassen und schwang sich damit nach Einspielergebnissen zum fünfterfolgreichsten Spielfilm aller Zeiten auf. Selbst eingefleischte Branchenkenner staunten über den Siegeszug des vierten Kapitels der „Jurassic Park“-Reihe, die 1993 von Steven Spielberg mit einem vor allem in tricktechnischer Hinsicht wegweisenden Abenteuerstreifen ins Leben gerufen wurde. Trevorrow zauberte eine kurzweilige Mischung aus Fortsetzung und Neustart aus dem Ärmel, konnte sich von einigen dämlichen Klischees und Blockbuster-Einschränkungen allerdings nicht freimachen und lieferte unter dem Strich einen passablen, aber sicher nicht bahnbrechenden Popcorn-Actioner ab. Während der Kalifornier als Drehbuchautor und ausführender Produzent auch am Folgeprojekt beteiligt war, übernahm Juan Antonio Bayona das Regiezepter, was emotional mitreißende Spektakelunterhaltung zu versprechen schien. Immerhin stellte der Spanier mit seiner vorangegangen Arbeit, der Romanadaption „Sieben Minuten nach Mitternacht“, eindrucksvoll unter Beweis, dass Spezialeffekte und eine anspruchsvolle Geschichte durchaus Hand in Hand gehen können. Den hohen Erwartungen wird der Filmemacher, der 2007 mit „Das Waisenhaus“ debütierte, nicht gerecht. Zu einer großen Enttäuschung mutiert der von ihm verantwortete „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ aber ebenso wenig.

Filmfoto: Jurassic World: Das gefallene KönigreichDrei Jahre nach der Aufgabe des gigantischen Dinosaurier-Freizeitparks auf der im Pazifik gelegenen Isla Nublar haben es sich die Urzeitechsen in der Wildnis ohne eine ordnende menschliche Hand bequem gemacht. Als jedoch ein Vulkan auf dem Eiland aktiv wird und auszubrechen droht, entbrennt eine Diskussion über den Umgang mit den Tieren. Soll man sie retten oder ihrem Schicksal überlassen? Die ehemalige Einrichtungsmanagerin Claire Dearing (Bryce Dallas Howard) setzt sich leidenschaftlich für den Schutz der Dinos ein und ist erfreut, dass Benjamin Lockwood (James Cromwell), der frühere Geschäftspartner des ersten Jurassic-Park-Gründers John Hammond, ihre Ansichten teilt und die dem Tod geweihten Riesenechsen evakuieren lassen will. Gemeinsam mit ihrem Ex-Freund, dem Velociraptoren-Spezialisten Owen Grady (Chris Pratt) bricht sie zur Isla Nublar auf, wo jedoch eines schnell deutlich wird: Irgendjemand scheint mit den Sauriern andere, ungeheuerliche Pläne zu verfolgen.

Nach Sichtung der „Jurassic World“-Fortsetzung drängt sich der Verdacht auf, dass das menschliche Allmachtsstreben und die schrankenlose Genmanipulation langsam, aber sicher keine ergiebigen Erzählmotoren mehr sind. Bayona und die Drehbuchautoren Trevorrow und Derek Connolly begnügen sich mit einigen Stichworten und einer Stippvisite des schon im Ursprungsteil auftretenden Chaostheoretikers Ian Malcolm (Jeff Goldblum), der den moralischen Zeigefinger schwingen darf. Viele Handlungselemente sind dem Kenner des Vorgängers bestens vertraut. Und noch dazu legt das Skript in manchen Momenten eine ärgerlich bequeme Haltung an den Tag, wenn es darum geht, die Protagonisten aus brenzligen Situationen zu manövrieren. Exemplarisch für die manchmal etwas unbeholfene Erzählführung ist auch die viel zu beiläufig eingebundene Offenbarung rund um Lockwoods Enkeltochter Maisie (Isabella Sermon), deren emotionale Sprengkraft komplett verschenkt wird.

Zeichnete Bayona im Fantasy-Drama „Sieben Minuten nach Mitternacht“ noch erstaunlich präzise und sensible Charakterbilder, muss der Spanier hier mit Stereotypen vorliebnehmen, was sowohl für Claire, Owen und ihre Helfer Zia Rodriguez (Daniella Pineda) und Franklin (auf die comic-relief-Funktion reduziert: Justice Smith) als auch für die in Stellung gebrachten Gegenspieler gilt. Sonderlich einprägsam ist keine der Figuren, wobei man lobend erwähnen muss, dass die Macher zumindest ein wenig aus der um „Jurassic World“ entbrannten Sexismus-Debatte gelernt haben. Stapfte die karrieristisch gezeichnete Claire dort die ganze Zeit in Stöckelschuhen durch unwegsames Terrain und war ständig auf die Hilfe des zupackenden Velociraptoren-Trainers angewiesen, darf sie nun bequemeres Schuhwerk tragen und kann etwas häufiger eigene Akzente setzen. Von echter Gleichberechtigung ist „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ allerdings noch ein Stück entfernt.

Auch wenn der Regisseur manche Momente zu sehr mit Pathos auflädt, tröstet seine insgesamt souveräne, temporeiche Inszenierung über einige Handlungsschwächen hinweg. Bayona versteht es, Actionpassagen wie den Vulkanausbruch auf der Isla Nublar wuchtig zu orchestrieren, nutzt die Möglichkeiten seines üppigen Budgets für beeindruckende Effekte und lässt immer wieder sein Gespür für eine unheimliche Atmosphäre aufblitzen. Schon der düstere Einstieg zehrt mit seinen Schattenspielen an den Nerven des Publikums, das regelmäßig kleine Schocks über sich ergehen lassen muss. Die Affinität des Spaniers zum Horrorkino zeigt sich nicht zuletzt in der zweiten Filmhälfte, die vorwiegend in Lockwoods riesigem, verwinkeltem Anwesen spielt und entfernt an ein Spukhausszenario erinnert. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang auch die dynamische Kameraarbeit von Óscar Faura, die sich zuweilen spannungsfördernd auswirkt. Rollt nach einem etwas zu lang geratenen Showdown schließlich der Abspann über die Leinwand, weiß man nicht so recht, ob man sich auf den bereits angekündigten nächsten „Jurassic World“-Beitrag freuen oder eher skeptisch sein soll.

Kritik: Christopher Diekhaus

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