Ghost Stories Filmkritik

Ghost Stories Kritik der neue Film von Andy Nyman, Jeremy Dyson mit Alex Lawther und Martin Freeman

Filmkritik von

„Ghost Stories“: Von der Bühne ins Kino

Jeremy Dyson und Andy Newman haben GHOST STORIES anhand ihres eigenen Bühnenstücks geschrieben und inszeniert. Das Theaterstück debütierte im Jahr 2010 in Liverpool, wechselte dann aber nach London, wo es im West End mehr als ein Jahr lief. 2014 wurde es dann erneut ein Jahr lang gezeigt. Das Besondere an dem Stück war, dass man keine Szenenfotos im Aushang zeigte, sondern nur Aufnahmen der erschreckten Gesichter des Publikums. Ob der Film eine ebensolche Wirkung erzeugt, ist eher fraglich. Was auf der Bühne ungewöhnlich ist, wirkt im Kino dann doch etwas gängiger.

Filmfoto: Ghost Stories©Concorde Filmverleih GmbHProfessor Goodman (Andy Nyman) hat es sich zur Aufgabe gemacht, falsche Spiritisten und Medien zu überführen und zu beweisen, dass alles nur Hokuspokus ist. Sein großer Held ist der vor Jahren verschwundene Charles Cameron, der dasselbe schon in den 1970er Jahren getan hat. Dann erhält er eine Nachricht von Cameron, der noch immer lebt, Goodman aber herausfordert, sein eigenes Glaubenssystem zu überdenken. Er präsentiert ihm drei Fallakten, die sich nicht mit logischen Mitteln erklären lassen. Goodman geht der Sache auf den Grund, um zu beweisen, dass auch hier nichts Übernatürliches passiert ist. Aber hat er damit Recht?

Der Film ist eine Verbeugung vor dem klassischen britischen Grusel. Mit seiner Struktur einer ausufernden Rahmenhandlung und dreier Geschichten, die sich der Professor erzählen lässt, erinnert er an den Klassiker TRAUM OHNE ENDE aus dem Jahr 1945, aber auch an die Portmanteau-Filme, die das Studio Amicus in den 1960er und 1970er Jahren präsentiert hat.

Nyman, der ein wenig an Saul Rubinek erinnert, spielt den Professor gleich selbst, so wie er es auf der Bühne auch schon getan hat. Er wird unterstützt von fähigen Leuten, darunter dem jungen Alex Lawther, der gerade in der Serie THE END OF THE F***ING WORLD zu sehen ist, und Martin Freeman (SHERLOCK), der hier auf sehr unterschiedliche Art und Weise agiert. Das kommt mit Überraschungen daher, wirkt aber nicht immer ganz stimmig.

Filmfoto: Ghost Stories©Concorde Filmverleih GmbHDas ist auch das größte Problem des Films, denn während die drei Gruselgeschichten mit toller Atmosphäre und ein paar guten Schockmomenten daherkommen, ist die Auflösung der ganzen Geschichte dann doch etwas arg vorhersehbar und aus der ganz und gar verstaubten Genre-Kiste entnommen. Hier hätte man sich etwas gewünscht, das ein bisschen mehr Wucht mit sich bringen würde.

Das Ende kann man jedoch verschmerzen, da einerseits immer wieder Hinweise darauf gegeben werden, andererseits das, was zuvorkommt, so überzeugend ist. Hier schaffen Dyson und Nyman wirklich schöne Gruselmomente, versehen ihre Geschichte aber auch mit einem feinen Sinn für Humor, der nie aufgesetzt ist, sondern sich homogen aus dem Geschehen heraus ergibt.

Filmfoto: Ghost Stories©Concorde Filmverleih GmbHInteressant an der Inszenierung ist zum Ende hin auch, dass man den Ursprung der Geschichte als Bühnenstück erkennen kann, was Ausstattung und Gestaltung der entsprechenden Szenen betrifft. Das Motto des Professors, aber auch des Films ist, dass man nicht alles glauben darf, was man sieht. Dass manches oftmals nicht so ist, wie es erscheint, oder das das Gehirn das vorgaukelt, was es sehen will. Dem wird im Grunde auch GHOST STORIES gerecht, da er mit der Erwartungshaltung des Zuschauers spielt, indem er das Ende signalisiert, aber auch die Fälle des Professors so gestaltet, dass sie recht abrupt zum Abschluss kommen.

Diese wiederum sind Versatzstücke verschiedener Genre-Konventionen - von der Geistergeschichte über das Monster im Wald bis hin zur Botschaft einer Toten. GHOST STORIES ist - Ende hin oder her - ziemlich clever und ein echter Genre-Lichtblick, da er die Balance aus Horror und Humor hält und der Hommage auch eine Dekonstruktion des Genres gegenüberstellt.

Kritik: Peter Osteried

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