Die kleine Hexe Filmkritik

Die kleine Hexe Kritik der neue Film von Michael Schaerer mit Karoline Herfurth und Suzanne von Borsody

Filmkritik von

Eine Zauberschülerin mit Herz

Der Wald ist echt, die Rehe sind echt, das urige Häuschen aber sieht so klapprig aus, dass es auf den magischen Inhalt dieser Coming-of-Age-Geschichte verweist. Das tun erst recht seine Bewohner, die rothaarige Frau, die sich die kleine Hexe (Karoline Herfurth) nennt, und ihr Mitbewohner Abraxas, der wie ein normaler Rabe aussieht, aber mit der Stimme von Axel Prahl spricht.

Filmfoto: Die kleine Hexe©StudioCanalKaum zu glauben, dass der Kinderbuchklassiker „Die kleine Hexe“ von Otfried Preußler aus dem Jahr 1957 erst jetzt eine deutsche Realfilmadaption erhält. Unter der Regie des Schweizers Michael Schaerer erzählt sie nahe an der Vorlage von den Abenteuern der kleinen Hexe, die mit ihren 127 Jahren zu jung ist, um in der Walpurgisnacht auf dem Blocksberg zu tanzen. Aber sie mischt sich dennoch unter die anderen Hexen, wird entdeckt und dazu verpflichtet, innerhalb eines Jahres die 7892 Zaubersprüche des großen Magiebuchs zu lernen, um eine gute Hexe zu werden.

Dass die kleine Hexe wie eine erwachsene Frau aussieht, steht keineswegs im Widerspruch zum Buch. Karoline Herfurth stellt sehr überzeugend dar, dass sie innerlich noch ein halbes Kind und stets zu Scherzen aufgelegt ist. Dennoch vermag es der Film naturgemäß nicht, wie das Medium Buch das merkwürdige Jungsein der kleinen Hexe bildlich in der Schwebe zu lassen. Karoline Herfurths Hexe ist eben nicht klein, ihr liebenswürdiges Lächeln geradezu mütterlich. Der kindliche Anteil des Charakters wird vom braven Erwachsenenanteil irgendwie in Schach gehalten. Diese unsichere Figurenzeichnung ist nicht ganz unschuldig daran, dass Schwung und Pfiffigkeit in diesem Film ein wenig zu kurz kommen.

Filmfoto: Die kleine Hexe©StudioCanalFast so wie bei den Brüdern Grimm kommen einmal zwei Kinder zum Hexenhäuschen, Vroni (Momo Beier) und ihr Bruder Thomas (Luis Vorbach). So einen lustigen, friedlichen Besuch, mit Zaubereien, die den gedeckten Tisch zum Spaß an die Decke katapultieren, den Stuhl in die Luft heben, hätten sich einst auch Hänsel und Gretel gewünscht. Aber da war die kleine Hexe ja noch nicht am Leben, die den Sinn der Zauberei so ganz anders versteht als die anderen Hexen. Argwöhnisch schleicht die böse alte Hexe Rumpumpel deshalb auch um ihr Haus und notiert jeden Regelverstoß. Suzanne von Borsody stellt diese fiese Figur mit grimmigem Spaß dar.

Der fröhliche, helle Frauengesang, der sich manchmal unter die orchestrale Musik mischt, verleiht der verspielten Aura der kleinen Hexe etwas Feenhaftes. Anheimelnd wirkt das kunterbunte Durcheinander, das in ihrem Häuschen herrscht und lustige Entdeckungen bietet wie zum Beispiel ein Mäusenest unter dem Klavierdeckel. Die visuelle Gestaltung ist insgesamt überaus gelungen. Die Waldlandschaft mit den Felsbrocken, das Dorf von anno dazumal mit seinen Fachwerkhäusern, der Tanz der Hexen auf dem Blocksberg lassen die märchenhaft-entrückte Stimmung sehr real werden. Die animatronische Vogelfigur Abraxas sieht lebensecht aus und auch der Flug der kleinen Hexe auf ihrem Besenstiel fügt sich ganz gut in die Landschaft ein.

Filmfoto: Die kleine Hexe©StudioCanalObwohl er von Hexenkunst erzählt, hält sich der Film bei der Dosierung des Surrealen geschickt an die Devise „weniger ist mehr“. So wirkt die verlängerte Nasenspitze, die Karoline Herfurth verpasst bekommt, nur lustig, aber nicht entstellend. Indem er auf schrille Töne und Übertreibungen verzichtet, bereitet der Film durchaus im Sinne der Buchvorlage mild bezauberndes Vergnügen.

Kritik: Bianka Piringer

Ihr Kommentar: Die kleine Hexe

Hinweis: Verwenden Sie selbst geschrieben Texte und kopieren Sie keinen Text von fremden Quellen. Mit dem Absenden Ihres Kommentars versichern Sie uns, dass der von Ihnen übermittelte Text nicht von anderen Webseiten oder Büchern kopiert ist und keine fremden Rechte verletzt. Bitte geben Sie Ihren Namen und Ihre E-Mailadresse (wird nicht veröffentlicht) an. Beziehen Sie sich bei Ihrem Kommentar auf die gezeigten Inhalte. Wir behalten uns vor, Kommentare nicht freizuschalten bzw. zu löschen wenn diese gegen geltendes Recht verstossen, beleidigend, Persönlich verletzend oder unsachlich sind. Kritiken.de haftet nicht für den Inhalt von Nutzerbeiträgen und verweist auf die Eigenverantwortung der Nutzer für ihre Beiträge.

Bitte aktivieren Sie Javascript um die Kommentarfunktion nutzen zu können

Einloggen
Herzlich willkommen! Um die Community nutzern zu können, melden sie sich bitte hier mit ihren Zugangsdaten an:

Facebook Login
Noch einfacher, loggen sie sich einfach mit ihrem Facebook Account ein:


Mit einem Klick auf diese Schaltfläche "Mit Facebook einloggen" akzeptieren sie die Nutzungsbedingungen und die Diskussionsrichtlinien der Ideenkraftwerk GmbH. Sie garantieren das sie diese gelesen und gespeichert oder ausgedruckt haben.


Passwort vergessen
Wenn Sie ihr Passwort vergessen haben können sie hier ein neues anfordern, geben sie dazu ihre E-Mail adresse hier ein:

Neu registrieren
Sie haben noch keinen Account bei Kritiken.de? Dann registrieren sie sich jetzt kostenlos, um die Community zu nutzen!