7 Tage in Entebbe Filmkritik

7 Tage in Entebbe Kritik der neue Film von José Padilha mit Rosamund Pike und Daniel Brühl

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„7 Tage in Entebbe“: Intensiver Polit-Thriller

Die amerikanisch-britische Ko-Produktion wurde von der Deutschen Film- und Medienbewertung mit dem Prädikat „besonders wertvoll“ ausgezeichnet. In der Begründung führt man nicht nur Regisseur José Padilhas Können auf, die Geschichte objektiv und spannungsintensiv zu erzählen, sondern auch den grandiosen Kunstgriff, Schlüsselmomente mit einer Tanzeinlage zu kontrastieren.

Filmfoto: 7 Tage in Entebbe©2018 eOne GermanyJuni 1976: Ein Flugzeug der Air France wird von einem gemeinsamen Kommando palästinensischer Terroristen und Mitgliedern der RAF entführt und nach Entebbe in Uganda geflogen. Dort bringt man die Geiseln in ein stillgelegtes Terminal. Ziel sind nun Verhandlungen mit Israel, das mehr als 50 Kampfgenossen der Palästinenser freilassen soll. Aber bislang hat Israel noch nie mit Terroristen verhandelt, weswegen das Leben der Geiseln kaum noch etwas wert ist. Während man in Israel debattiert, ob man verhandeln soll, lässt der Verteidigungsminister eine Befreiungsaktion planen.

Es ist schwer, einen Stoff wie diesen überhaupt spannend zu machen, denn natürlich ist der Ausgang der Geschichte weitestgehend bekannt. Allerdings haben Padilha und sein Autor Gregory Burke ausgiebig Recherche betrieben und auch mit Zeitzeugen gesprochen, so dass sie Details und Einzelheiten zeigen können, die eher unbekannt sind. So gilt die Befreiungsaktion als militärische Glanzleistung und ist dies auch, sie hätte aber auch anders enden können, denn übereinstimmend haben Geiseln berichtet, dass der deutsche Terrorist nicht das Feuer auf sie eröffnet hat, als die Israelis stürmten. Hätte er es getan, wäre es zum Blutbad gekommen.

Filmfoto: 7 Tage in Entebbe©2018 eOne GermanyÜber seine Beweggründe kann man spekulieren. Das macht auch der Film, der Daniel Brühl damit eine mehr als reizvolle Rolle bietet, da man hier einen Mann hat, der von Ideologie getrieben ist, aber das eigene Handeln auch zu hinterfragen beginnt. Bei seiner Begleiterin ist dies nicht der Fall, aber auch sie erhält eine vielschichtige Charakterisierung. Rosamund Pike spielt sie – und das im Original auch in manchen Szenen mit ziemlich gutem Deutsch.

7 TAGE IN ENTEBBE ist aber auch interessant, weil er nicht Partei ergreift, sondern kühl und zurückhaltend berichtet. Dabei geht es nicht nur um die Terroristen und Geiseln, sondern auch die politische Komponente wird genau beleuchtet. Padilha gelingt es, den politischen Kern der Geschichte herauszuarbeiten, ohne dass er dafür die Spannungskurve seiner Geschichte opfern müsste. Im Gegenteil, denn obwohl bekannt ist, wie alles ausgeht, schafft der Brasilianer es, den Zuschauer bis zum Ende bei der Stange zu halten.

Filmfoto: 7 Tage in Entebbe©2018 eOne GermanyGroßartig ist der Kontrast zur Tanzeinlage, mit der der Film begonnen wird, die in Schlüsselmomenten aber auch immer wieder zum Tragen kommt und in ihrer Metaphorik sehr genau akzentuiert, was in Entebbe passiert. Das verleiht dem Film eine Kunstfertigkeit, aber auch Gravitas, die immens wichtig ist. 7 TAGE IN ENTEBBE ist packendes Polit-Kino, das heute so aktuell wie damals ist.

Kritik: Peter Osteried

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