„Maui wurde Dwayne ähnlicher.“ – Produzentin Osnat Shurer über VAIANA

Interview mit Osnat Shurer (Produzent) über Vaiana geführt Filmkritik von

Kritiken: Der Film hat einen anderen Titel in Deutschland. Hier heißt er VAIANA, im Original MOANA, was jeweils der Name der Hauptfigur ist. Wie kam es dazu.

Osnat Shurer: Wir versuchen schon immer, den gleichen Namen weltweit zu benutzen, aber manchmal ist das Copyright nicht überall erhältlich. So heißt der Film in weiten Teilen der Welt MOANA, was im Polynesischen „Ozean“ bedeutet. VAIANA wiederum heißt „Wasser“, so dass wir sehr nahe dran blieben.

Kritiken: Sie haben fünf Jahre an diesem Film gearbeitet. Kommt da mal der Punkt, an dem man sich fragt, ob man noch auf dem richtigen Weg ist?

Osnat Shurer: Natürlich. Man arbeitet sehr lange an einem Projekt und kommt diesem dadurch auch sehr nahe. Was uns hilft, solche Momente des Zweifels zu überwinden, ist, dass wir unsere Filme zuerst in Storyboard-Form fertigstellen. Wir machen daraus einen kleinen Film und zeigen ihn all den Regisseuren in unserem Story Trust, die sich das ansehen, ein paar Tage Zeit nehmen und nicht an ihren Projekten arbeiten und uns dann hilfreiche Bemerkungen geben. Danach verbringen wir ein paar Tage damit, das auszuwerten und etwaige Probleme in der Story zu beheben. Auf diese Weise bekommt man immer den frischen Blick von anderen, die ebenfalls Disney-Regisseure und -Filmemacher sind. Das hilft, wenn man an den Punkt kommt, an dem man über einen Witz nicht mehr lachen kann, weil man ihn schon so oft gehört hat. Das ist einer der wichtigsten Aspekte, um so lange an einem Film dranbleiben zu können und alles frisch zu halten.

Kritiken: Haben Sie zuerst die Charaktere oder die Geschichte des Films entwickelt?

Osnat Shurer: Die Charaktere kommen zuerst. Wir arbeiten zuerst sowohl an ihnen, als auch an der Welt, in der sie leben. Bei einem Animationsfilm erschafft man im Grunde die ganze Welt. Das alles kommt vor dem Plot. An dem arbeiten wir danach. Und wenn wir eine Ahnung haben, wer die Figuren sind, entwickelt sich der Plot, wobei wir sicherstellen, dass er für diese Figuren funktioniert. Wir schreiben, machen Storyboards, Screenings – und wenn das alles steht, dann suchen wir die Sprecher. Wenn wir wissen, wie die Figuren sind, können wir uns überlegen, wessen Stimme gut passt. Nach dem Finden der Schauspieler ist es aber so, dass wir die Geschichte und die Figuren weiterentwickeln, da die Stimmen natürlich auch die Charaktere verändern.

Kritiken: Also war es etwa vor drei Jahren, dass Sie Dwayne Johnson gecastet haben?

Osnat Shurer: Ja, zweieinhalb bis drei Jahre. Wir haben ihn damals angesprochen und verpflichtet. Er hat seitdem einige andere Filme gemacht – und auch ein Kind bekommen. Animation ist eine sehr langwierige Angelegenheit. Dwayne liebt den Film, er wollte auch unbedingt dabei sein. Hier geht es um seine Kultur, für die er starke Empfindungen hegt. Er hat bei der Entwicklung der Figur sehr geholfen. Maui wurde Dwayne ähnlicher.

Kritiken: Sie fanden eine Newcomerin für Vaiana. Wie verlief die Suche?

Osnat Shurer: Wir hatten einen Open Call und suchten überall auf der Welt, vor allem aber auch im Pazifik. Wir wollten eine junge Frau, die singen und schauspielern kann – und den Film tragen kann, da die Rolle groß ist. Die Figur ist 16 Jahre alt, weswegen wir hofften, dass wir jemanden finden konnten, der jung ist, aber auch Wurzeln in den pazifischen Inseln hat. Am letzten Tag dachte unser Casting Director in Hawaii an ein Video einer jungen Frau, die für eine andere Produktion war. Sie gefiel ihr, weswegen sie ihre Mutter anrief, um das Mädchen zu einem Vorsprechen einzuladen.

Kritiken: Sie sieht wirklich aus wie die Rolle.

Osnat Shurer: Ja, unglaublich, nicht? Wir hatten das Design der Figur schon fertig, als wir sie rekrutierten. Aber sie sieht wirklich genauso aus und hat auch einige von Vaianas Charakteristiken. Sie ist mutig, sie ist frech, sehr warmherzig, sehr smart und sehr natürlich. Eine tolle Schauspielerin, die auch improvisieren kann. Sie wurde am Tag vor dem Kinostart in den USA 16 Jahre alt. Sie ist jetzt so alt wie Vaiana.

Kritiken: Im Vorfeld der Produktion fuhren Sie mit den Regisseuren und einigen Animatoren nach Ozeanien. Hat das die Geschichte, die erzählt werden sollte, verändert?

Osnat Shurer: Sehr stark. Wir hatten Ideen, die auf dem basierten, was wir lasen. Aber als wir dort waren und mehr über die Historie der Seefahrer und dergleichen erfuhren, hat das auch Einfluss auf die Geschichte genommen. Der Stolz dieser Menschen auf ihre Herkunft beeindruckte uns und diese Historie wurde das Herz unserer Geschichte.

Kritiken: Das ist auch die Schönheit an Filmen wie diesen, denn viele wissen ja gar nicht viel über Ozeanien, werden aber inspiriert, mehr herauszufinden.

Osnat Shurer: Ja, das hoffe ich auch. Unser Film ist natürlich fiktiv. Zwar inspiriert von der Kultur, aber eben doch ein Film. Es wäre aber toll, wenn Zuschauer danach mehr darüber herausfinden wollen würden.

Kritiken: Sie haben eine neue Technologie für das Wasser entwickelt. Wie lange dauerte das?

Osnat Shurer: Das hat tatsächlich sehr lange gedauert. Mindestens ein Jahr hat das Technologie-Team daran gearbeitet. Für das Wasser mussten verschiedene Programme entwickelt werden, z.B. für die Wellen, die von Booten ausgelöst werden. Aber natürlich auch die konstante Bewegung des Ozeans. Dafür mussten verschiedene Programme ineinander übergehen, um ein homogenes Ganzes zu erzeugen. Die Schwierigkeit war dabei auch, dass der Ozean im Grunde eine Figur des Films ist, aber technisch die Herausforderung eines Spezialeffekts hat. So musste man auch einen Weg finden, im Ozean Emotion zu finden.

Kritiken: Fürchteten Sie nie, dass es vielleicht nicht klappen würde, das Wasser so zu gestalten, wie es nun ist?

Osnat Shurer: Als Produzent hat man diese Angst immer. Das gehört zum Job. Aber wir haben ein paar der talentiertesten Menschen auf der Welt bei Disney und ich wusste, wenn es jemand schaffen konnte, dann diese Leute. Aber es war schon herausfordernd, weil wir auch so einen hohen Wasseranteil in diesem Film haben. Als Charakter, aber auch als Set. Wir wussten, dass wir eine gewisse Herausforderung meistern mussten – und haben das auch geschafft.

Kritiken: Zuvor wurden neue Technologien für das Fell und die Haare in ZOOMANIA entwickelt, nun für das Wasser in VAIANA. Kommt da irgendwann der Punkt, wo technisch alles erreicht ist?

Osnat Shurer: Das glaube ich nicht. Es wird beim nächsten Film sicherlich neue Herausforderungen geben. Man will einfach frei sein, eine unglaubliche Geschichte zu erzählen – und damit kommen auch immer neue Herausforderungen.

Kritiken: Interessant finde ich, dass es auch klassischen Zeichentrick im Film gibt: Die sich bewegenden Tattoos auf Mauis Haut.

Osnat Shurer: Ja, darüber haben wir lange nachgedacht. Die Regisseure lieben traditionellen Zeichentrick und erkannten, dass sie beides kombinieren könnten. Wir haben Eric Goldberg und sein unglaubliches Team aus klassischen Zeichentrickkünstlern, die mit den Computeranimatoren arbeiteten. Sie mussten auch herausfinden, wie das möglich würde, da nicht nur der klassische Zeichentrick gezeichnet werden, sondern mit der Computeranimation verbunden werden musste, da die CGI-Figuren sich auch bewegen, so dass es Bewegung auf Bewegung ist, was eine gigantische Herausforderung darstellte. So etwas hatten wir zuvor noch nie gemacht.

Kritiken: Finden Sie, es fehlt etwas, nun, da klassischer Zeichentrick kaum noch vorkommt?

Osnat Shurer: Eric würde sagen, dass es nicht nur ein kleiner Teil des Films ist. Für uns war es die Möglichkeit, die Tradition mit dem Neuen zu verbinden. Vieles von dem, was in einem computeranimierten Film geht, geht bei klassischem Zeichentrick nicht. Der Ozean würde da nicht funktionieren. Maui ist mit Tattoos bedeckt. Das würde man bei Zeichentrick nie machen, weil es so unglaublich viel bei jedem einzelnen Bild zu zeichnen wäre – man würde kaum fertig werden. Bei Computeranimation ist es etwas Anderes, denn wenn man es einmal hat, kann das weiterentwickeln. Anderes geht bei Computeranimation nicht. Deswegen war es für uns aufregend, beide Techniken miteinander zu kombinieren.

Kritiken: Wobei es schade ist, dass heutzutage fast nur noch Computeranimation geboten ist.

Osnat Shurer: Ja, wobei ich glaube, dass Trends kommen und gehen und klassischer Zeichentrick irgendwann auch wieder stärker vertreten sein wird.

Kritiken: Ein gutes Schlusswort. Vielen Dank für das Gespräch.

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