Interview mit dem Regisseur Claudio Fäh

Interview mit Claudio Fäh (Regie) über Northmen - A Viking Saga geführt Filmkritik von

Kritiken: Wie bist Du denn zu dem Projekt gekommen?

Claudio Fäh: Das war ein äußerst glücklicher Umstand. Unser Produzent, Ralph Dietrich, der Chef von Ascot Elite, hat mich vor ziemlich genau vier Jahren angehauen, ob ich gerne einen Wikinger-Film machen möchte. Er hat die Idee dazu gehabt und ich habe mich schon immer für Abenteuer-Filme interessiert. Das ist ein Genre, das ich sehr gerne mal ausprobieren wollte.

Kritiken: Dazwischen hast du ja noch SNIPER: RELOADED gemacht.

Claudio Fäh: Bei den meisten Filmen dauert es so lange, bis sie finanziert werden. Darum vergeht viel Zeit, so dass ich mich um ein anderes Projekt zuvor kümmern konnte. Für die Finanzierung vergeht viel Zeit. Vor vier Jahren hatte er noch kein Drehbuch, sondern nur eine Idee für eine Geschichte. Im ersten Drehbuch wurde das Drehbuch dann von den beiden Österreichern Bastian Zach und Matthias Bauer geschrieben. Dann wurden Fördergelder angefragt, gegeben, dann abgelehnt, dann doch gegeben. So verging viel Zeit.

Kritiken: Stand im Raum, dass du das Drehbuch selbst schreibst?

Claudio Fäh: Das stand eigentlich nicht im Raum. Das war von Anfang an klar, dass Ralph den Bastian und Matthias anheuern wollte. Ich war von Anfang an als Regisseur dabei.

Kritiken: Gab es viele Veränderungen von der ersten Version zu dem, was du dann gedreht hast?

Claudio Fäh: Notwendigerweise wurde schon einiges geändert, weil auch ein Konsortium von Leuten eigene Wünsche anbringt. Dann war es auch so, dass wir natürlich gewisse produktionstechnische und logistische Limitationen vorfanden, was die Locations in Südafrika angeht, sodass wir einiges anpassen mussten. Aber das ist ganz gewöhnlich, da man versucht, das Optimum herauszuholen.

Kritiken: Wie kam man denn auf die Drehorte in Südafrika? Das Land fällt einem ja nicht unbedingt als erstes ein, wenn man überlegt, welches denn Schottland doubeln könnte.

Claudio Fäh: Ein glücklicher Umstand. Wir hatten uns zuerst in Rumänien umgesehen, aber auch in Schottland und Irland. In Irland war es so, dass dort GAME OF THRONES gedreht wird, weswegen es schwierig ist, da noch eine gute Crew zu finden. Und es ist teuer, dort zu drehen. Sehr viel teurer als in Südafrika. Ich war erst skeptisch, obwohl ich schon zwei Filme dort gedreht hatte. Aber Frank Kaminski, unser Ko-Produzent, hat mich dann überzeugt, dass die Locations einiges hergeben. Und das war dann auch so. Südafrika hat zudem einen sehr attraktiven Ko-Produktionsvertrag mit Deutschland, wovon wir profitieren konnten. Zudem gibt es auch eine sehr gut funktionierende Filmindustrie.

Kritiken: Es sieht auch tatsächlich phantastisch aus. Wenn man es nicht wüsste, hätte man gesagt: Jawohl, das ist Schottland.

Claudio Fäh: Mitunter war das Wichtigste, dass wir den Fans das bieten wollten, was sie von so einem Film erwarten. Aber das hieß auch, dass wir uns bemühen mussten, dorthin zu reisen. Die Locations waren weit ab vom Schuss, hoch oben in den Bergen. Es war ein unheimlich anstrengender Dreh, aber es war auch sehr erfüllend, weil ich aber auch die Schauspieler das Gefühl hatten, uns selbst auf ein Abenteuer zu begeben.

Kritiken: Gab es dann Probleme mit dem Wetter, weswegen die Dreharbeiten nicht so laufen konnten wie geplant oder erhofft?

Claudio Fäh: Ja, das war schon hart. Die Wetterbedingungen im Winter in Südafrika sind schon sehr wechselhaft. Da hat man manchmal vier Jahreszeiten an einem Tag. Es hat irre viel geregnet, z.T. hatten wir sogar Schnee. Da der Film fast komplett außen spielt, hatten wir auch nicht die Möglichkeit, innen zu drehen, wenn es außen nicht ging. Bei komplizierteren Szenen wie den Schlachtszenen, für die man länger brauchte, musste man vorab den Wetterbericht studieren, um drei Tage von konsistentem Wetter zu bekommen, damit es innerhalb der Szene nicht zu große Sprünge gibt. Da gab es z.B. eine dreitägige Schlacht, bei der man zwei Tage in einer Woche dreht, und dann nach Wetterumschlag eine Szene dreht, in der es regnen darf. Und an einem anderen Tag dreht man die Schlacht dann weiter.

Kritiken: Wurden die Innenszenen am Hof des Königs und in dem Turm auch in Südafrika gedreht?

Claudio Fäh: Das war alles in Südafrika. Der Hof des Königs war auch außen. Das ist so ein befestigter Hof gewesen, der ist oben offen. Da brauchten wir auch gutes Wetter. Der Turm war unser einziges Set. Der war aber auch vor Ort gebaut, das untere Stockwerk, während er nach oben digital verlängert worden ist. Der Innenbereich des Turms ist aber auch direkt dort aufgebaut gewesen. Da war nichts isoliert. Und wir hatten die kältesten Tage in dem Turm.

Kritiken: Also war es richtig kalt?

Claudio Fäh: Ja, schrecklich. Die armen Schauspieler hatten natürlich keine Goretex-Jacken an. Die mussten in ihren mittelalterlichen Lederkostümen ausharren. Die standen immer kurz vor der Lungenentzündung.

Kritiken: Da hatte es Ryan Kwanten als Mönch ja noch am besten, der konnte was darunter tragen.

Claudio Fäh: Genau, der konnte sich einigermaßen vernünftig verpacken. Aber die Schauspieler waren schon hart drauf. Ich glaube, die haben es auch genossen, sich physisch in diese Geschichte hineinzuversetzen.

Kritiken: Wie verlief denn der Casting-Prozess?

Claudio Fäh: Das ist der längste und schwierigste Prozess des Filmemachens, weil man eine Vorstellung hat, wenn man haben will und dann kriegt man die z.T. nicht und kriegt sonst jemanden, und dann muss man überlegen, ob die Personen für die Rollen passen. Aber hier bin ich unheimlich begeistert gewesen von den Schauspielern, weil sie auch Figuren verkörpert haben, die sich voneinander unterscheiden. Es hat auch geholfen, dass sie sich irre gut verstanden haben. Die wurden richtige Freunde. Das hat die Dreharbeiten leichter gemacht.

Kritiken: Ihr seid ja auch alle nicht aus Südafrika, da muss man sich ja fast untereinander verbrüdern, wenn man so lange in einem fremden Land ist.

Claudio Fäh: Genau, das ist schon wichtig, dass man genug Freunde um sich hat, wenn die Arbeit hart ist. Ich muss schon sagen, dass Leute wie Ken Duken oder Anatole Taubman, die man in Deutschland am besten kennt, mit so viel Herzblut sich in diese Geschichte eingebracht haben. Zumal das eine Geschichte ist, die nicht von den Charakteren angetrieben wird, aber die Schauspieler haben ihre Figuren mit Leidenschaft so dreidimensional wie möglich gestaltet. Das ist nicht einfach bei so einem Film. Ken hat nicht gerade viel Text im Film, aber er muss eine gewisse Präsenz haben, damit sich seine Figur von den anderen abhebt. Als Beispiel hat er wochenlang diese Bogentechnik gelernt, bis er sie perfekt beherrscht hat. Das ist eine nicht überlieferte Technik, die ein Däne wieder entdeckt und perfektioniert hat. Ken hat sich das angeeignet und mit hoher Akribie gelernt. So eine kleine Fertigkeit verleiht einer Figur dann auch Persönlichkeit.

Kritiken: Gab’s für die Schauspieler dann so einer Art Boot Camp, bei dem gelernt wurde, mit den Waffen umzugehen?

Claudio Fäh: Wenn ich hätte wählen können, hätte ich sie gerne schon Wochen vorher in Südafrika gehabt, damit sie trainieren können. Aber das ist auch eine Frage der Logistik, die es dann nur erlaubt, die Schauspieler eine Woche vor dem Dreh vor Ort zu haben. Ryan hat mit dem Stab bereits in Los Angeles zu trainieren begonnen. Ich habe ihm da Videos geschickt, die Bewegungen zeigten, die ich gerne im Film haben wollte. Sobald alle dann in Südafrika waren, ging es pausenlos mit den Stuntleuten weiter. Wir hatten auch einige Tage, in denen wir uns im Kostüm mit den Waffen im Wald verschanzten und quasi Cowboys und Indianer spielten, uns also Szenarien ausdachten, mit denen die Schauspieler üben und improvisieren konnten, um selbst zu erleben, was es heißt, mit solchen Outfits tagelang durch die Natur zu wandern und ständig auf den Feind gefasst zu sein. Das hat auch zur Verbrüderung beigetragen. Es war so eine Art Pfadfinderlager vor Drehbeginn.

Kritiken: Du bist ja ein Spezialist für Action-Filme. Mit CORONADO oder SNIPER: RELOADED war es aber zeitgenössische, damit bleihaltige Action. Wie groß war denn die Umstellung für Dich, nun Schwertkämpfe und dergleichen zu inszenieren?

Claudio Fäh: Das ist eine sehr gute Frage. Das ist ein Riesenunterschied. Mit Gewehren ist es um einiges einfacher, weil kein Nahkampf besteht. Bei einem Schwertkampf kommt man sich sehr nahe. Man kann ja auch nicht mit Gummischwertern kämpfen, weil das bescheuert aussieht. Die Schauspieler mussten die Choreographien gut einstudieren. Gleichzeitig mussten die Kämpfe für die Schauspieler sicher sein. Es hat auch eine ganz andere Ästhetik. Das verlangt einen anderen Zugang, damit man nicht nur ein Schwertgeklirre hat, sondern innerhalb von diesen Kämpfen auch eine Geschichte weitererzählt wird. Am Anfang, als sie die Klippe hochklettern und keine Waffen mehr haben, als 40 oder 50 Leute sie angreifen, da ist das schon eine ganz eigene Art des Kämpfens – und das muss in ganz eigene, kleine Geschichtchen verpackt werden. Das macht aber schon irre Spaß. Genau deswegen hab ich damals zu Ralph Dietrich auch direkt gesagt: Natürlich, bei einem Wikinger-Film bin ich sofort dabei. Ich wusste, dass man sich da mal in diesen Schlachten ausprobieren kann.

Kritiken: Wurden dann für diese Sequenzen Storyboards angefertigt?

Claudio Fäh: Storyboards sind gefährlich, weil sie immer auch einengend sind. Sie sind als Kommunikationsmittel okay, um sicherzustellen, dass man am Tag auch die richtigen Dinge wie einen Kran und dergleichen dabei hat. Aber ich bin von Storyboards abgekommen. Gewisse Sachen müssen gezeichnet und auf Papier ausprobiert werden wie die Schiffsszene am Anfang, weil da viel Planung vonnöten ist, da viele verschiedene Abteilungen miteinander arbeiten müssen. Aber wenn es sich um relativ simple Action handelt, dann mach ich lieber eine Shotlist, die beschreibt, was Shot für Shot geschehen muss. Das zwingt einen am Set auch, sich die Sache noch mal frisch anzuschauen und zu überlegen, ob es der beste Winkel ist oder man nicht doch noch etwas Besseres finden kann. Storyboards bergen die Gefahr, gefällig zu werden, weil man einfach kopiert, was schon skizziert ist.

Kritiken: Man kann also lockerer rangehen.

Claudio Fäh: Die besten Talente hat man erst beim Dreh vereint. Die Schauspieler, den Kameramann, den Stunt-Koordinator, die Leute von den Special Effects – die finden dann alle zueinander. Nur manche Dinge sind vorher ganz genau geplant wie die ganzen Pferde-Stunts, damit die Pferde auch lernen können, was sie machen müssen. Aber je mehr kreative Entscheidungen man sich am Set erlauben kann, desto fruchtvoller kann es auch werden, wenn der Schauspieler die Freiheit hat zu sagen: „Vielleicht wäre es cooler, wenn ich hier statt dort stehen könnte.“ Das sind alles kreative Leute, die man auch abholen und inspirieren muss. Das ist ein ganz großer Teil meiner Aufgabe.

Kritiken: Wenn der Film gut läuft, würdest du das Sequel dann machen wollen?

Claudio Fäh: Natürlich, das ist schon ein Wunsch von uns, dass wir die Geschichte weiterführen könnten. Für mich wäre das mal was Neues, wenn ich mal nicht ein Sequel von einem anderen, sondern meinem eigenen Film machen könnte. Das würde auch dem Untertitel THE VIKING SAGA Tribut zollen, dass es eben eine weitreichendere Geschichte ist, aber das hängt auch davon ab, wie er läuft.

Kritiken: Was kannst Du denn über Deinen nächsten Film SHOEDOG erzählen?

Claudio Fäh: SHOEDOG ist ein Thriller, ein Action-Thriller, geschrieben von George Pelecanos. Er ist einer der bekanntesten und erfolgreichsten Krimi-Autoren hier in den USA. Er hat auch bei der Fernsehserie THE WIRE mitgeschrieben. Der Film basiert auf einem seiner Romane. Ein sehr gutes Drehbuch, von dem ich äußerst begeistert bin. Das ist ein neues Genre für mich und ich kann’s kaum erwarten.

Kritiken: Weißt du schon, wer mitspielen wird?

Claudio Fäh: Joe Manganiello ist sicher. Wir sind gerade im Casting-Prozess, aber Joe hat schon unterschrieben.

Kritiken: Das ist dann ja dein zweiter TRUE BLOOD-Darsteller nach Ryan Kwanten.

Claudio Fäh: Eigenartig, nicht? Beide sehr angenehme Menschen. Sehr talentiert. Tolle Typen, richtig nette Menschen.

Kritiken: Wenn es läuft, wie’s laufen soll, wann könnte der Film dann kommen?

Claudio Fäh: Das ist schwer zu sagen. In der Regel ist es ein Kalenderjahr, das es dauert. Wir könnten also vielleicht nächstes Jahr wieder telefonieren, wir zwei.

Kritiken: Sehr gerne. Da freue ich mich schon. Vielen Dank für das Gespräch, Claudio.

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