Her

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Regisseur: Spike Jonze, Schauspieler/in: Joaquin Phoenix, Lynn Adrianna, Lisa Renee Pitts, Gabe Gomez, Chris Pratt. Drehbuch: Spike Jonze

Die Entwicklung sozialer Medien führte mehr als alles andere zu dem Gefühl der Einsamkeit. Doch nicht nur sie hat die Gefühlswelt der Menschen verändert. Kann sich ein Mensch in einer Welt, die voll rasant entwickelnder Technologien beeinflusst wird, in eben ihre Sicherheit flüchten? Wo es die Enttäuschungen und Verletzungen seinesgleichen nicht mehr länger ertragen muss, da es keine menschlichen Schwächen und Fehler gibt? Dies könnte eine der vielen Fragen sein, mit der sich Regisseur Spike Jonze in seinem neuen Film Her, in dem sich ein Mensch in eine Roboterstimme verliebt, beschäftigt.

Theodore ist ein professioneller Autor einfühlsamer Briefe und kämpft mit den verletzten Gefühlen, die die Scheidung von seiner Frau Catherine hinterlassen hat. Nun lebt er alleine in seiner Wohnung und fühlt sich einsamer als je zuvor – bis er sich eines Tages ein Betriebssystem kauft, das mit einer spezifischen Intelligenz ausgestattet ist und ihn und sein Leben aufgrund von ausgewerteter Daten kennt. Das System besteht aus einer weiblichen Stimme und nennt sich Samantha. Sie bringt nicht nur Ordnung in sein Leben, sondern unterhält sich mit ihm über alle möglichen und unmöglichen philosophischen Fragen. Nach und nach fasst Theodore dank ihrer Lebensneugier nicht nur wieder neuen Lebensmut und die Lust am (Er)leben, sondern kann wieder lieben. Seine Gefühle zu Samantha werden immer stärker. Doch wie liebt man ein Wesen, das man nicht sehen und berühren kann? Wie liebt man ein Wesen, das doch eigentlich emotionslos ist?

Der Macher von Being John Malkovich (1999) und Adaption. (2002) Spike Jonze möchte mithilfe seines Protagonisten Theodore, gespielt von Joaquin Phoenix, zum Denken anregen. Scarlett Johansson veleiht ihre Stimme für das charismatische Betriebssystem Samantha. Neben ihr wirken unter Anderen auch Chris Pratt, Rooney Mara, Bill Hader und Kristen Wiig mit und sind Teil eines Films, der nicht allzu weit entfernt von der Zukunft zu sein scheint.

Her Filmkritik

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Her Kritik

Filmfoto: Her©Warner Bros.Für Joaquin Phoenix ist sie die einzig wahre Frau in seinem Leben: Her
Den Oscar als bester Film hat Her nicht bekommen, er hatte in dieser Disziplin aber ohnehin nie mehr als eine Außenseiterchance. Dafür gab es aber einen Oscar für das beste Originaldrehbuch – und das mehr als verdient. Immerhin erzählt Spike Jonze hier eine wahrhaftige Liebesgeschichte, wie sie heute noch Zukunftsmusik ist. Aber wer weiß schon, ob die Technik der Vision des Autors und Regisseurs nicht schon bald folgt und Beziehungen zwischen Menschen und den Betriebssystemen ihres Computers Gang und Gebe werden.

Klingt spleenig? Ist es auch, aber dieser eine Moment der Ungläubigkeit verfliegt schnell, was nicht zuletzt auch daran liegt, dass die Stimme des Betriebssystems im Original von niemand anderem als Scarlett Johansson gesprochen wird. Während der Dreharbeiten war es noch Samantha Morton, die man im Film nicht sieht, die aber anwesend war, um mit Joaquin Phoenix ihre Dialoge zu sprechen. Während des Schnittprozesses fand Jonze jedoch, dass etwas nicht passte. Mit Mortons Segen suchte er schließlich nach einer neuen Stimme für das Betriebssystem Samantha.

Filmfoto: Her©Warner Bros.Theodore (Joaquin Phoenix) hat einen merkwürdigen Job: Er schreibt Briefe für Menschen, die sich selbst dazu nicht in der Lage fühlen. Das ist oft schmerzhaft, aber in die Lage kann er sich hineinversetzen, seit seine langjährige Freundin sich von ihm getrennt hat. Nun aktiviert er für seinen Computer ein neues Betriebssystem, das eine künstliche Intelligenz darstellt und sich auch einen Namen aussucht: Samantha. Samantha ist die Frau, die er sich immer gewünscht hat: sensibel, verständnisvoll, mit einem feinen Sinn für Humor. Er verliebt sich in sie und sie in ihn, aber wie kann eine Beziehung zwischen einem Menschen und ein Betriebssystem zum Happyend führen?

Für manche mag Jonzes Vision der ultimative Albtraum sein. Es ist die totale Vereinsamung des Individuums, die hier gezeigt wird, die Interaktion findet nicht mehr auf persönlicher Ebene statt. Wer wegen sozialer Medien schon den Untergang des Abendlands kommen sah, wird Jonzes Welt als die Hölle sehen, auf die wir zusteuern. Dafür interessiert sich Jonze aber nicht. Er nutzt seine Geschichte auch als eine Ode an die Technologie, die eben auch neue Möglichkeiten mit sich bringt. Die Beziehung zwischen Theodore und Samantha wird nicht nur für die beiden, sondern auch für den Zuschauer real. Es stellt sich die Frage, was einen Menschen ausmacht. Ist es der Körper? Die Seele? Sein Intellekt? Ersteres hat Samantha nicht. Zweiteres? Hm, wer weiß? Der Intellekt ist aber vorhanden, sie ist eine wirkliche Person.

Filmfoto: Her©Warner Bros.Jonze spielt mit diesen Fragen, ohne sie aufdringlich in den Vordergrund zu rücken. Zugleich zeigt er sich als Traditionalist, denn er findet ein Ende für seinen Film, das man so nicht erwartet hätte, das aber auch jene versöhnlich stimmt, die in Technikphobie Angst vor der Zukunft haben. Denn am Ende steht das (Zwischen-)Menschliche im Mittelpunkt. Dies ist einer von drei Filmen jüngster Zeit, die eine starke Konzentration auf nur eine Figur haben. Anders als Sandra Bullock in Gravity und Robert Redford in All is Lost ist Joaquin Phoenix‘ Figur jedoch nicht gänzlich allein. Auch wenn es sich manchmal so anfühlt. Aber der Film verheddert sich nie in den Fallstricken, die mit einer solchen Erzählweise einhergehen können. Weil Theodore eine komplexe Figur ist und weil Phoenix sie mit der nötigen Vielschichtigkeit porträtiert.

Her ist nicht nur ein emotional packender Film, sondern auch audiovisuell unheimlich schön. Hoyte von Hoytema fängt pastellfarbene Pracht ein, während Owen Pallett den Zuschauer akustisch umschmeichelt und mit Klang jenes Bild malt, das Samantha ihrem Theodore so gerne zeigen, aber nur hören lassen kann. Einen Moment fürchtet man, der Film könnte auf ein kitschiges Happyend hinauslaufen. Aber davor hütet er sich. Er gibt am Ende jeder Figur das, was sie am meisten benötigt.

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