Zu guter letzt Filmkritik

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Zu guter letzt Kritik der neue Film von Mark Pellington mit Amanda Seyfried und Shirley MacLaine

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Es ist nie zu spät für einen neuen Tanz

Das Altsein macht Harriet Lauler (Shirley MacLaine) keinen Spaß. Was gibt es denn noch zu tun in ihrer aufgeräumten Villa, in der es an nichts fehlt außer an Leben? Doch da wäre noch eine Kleinigkeit zu erledigen: Die Perfektionistin will dafür sorgen, dass die junge Nachrufschreiberin der Bristol Gazette, Anne Sherman (Amanda Seyfried), ihr eine vorbildliche Würdigung verfasst. Harriet möchte, dass darin von der Liebe der Familie, der Anerkennung der Kollegen, einer guten Tat für einen anderen Menschen und einem besonderen Hobby die Rede ist, weil sich das so gehört. Doch Anne findet niemanden, der für Harriet auch nur ein gutes Wort übrig hat. Es gibt also viel zu richten für die alte Dame, die Anne mit ihrem Kampfgeist stark auf die Nerven geht.

Filmfoto: Zu guter letzt©TobisDiese launige Frauenkomödie von Regisseur Mark Pellington („Arlington Road“) erweist sich vor allem als Würdigung der großartigen Shirley MacLaine („Das Mädchen Irma la Douce“). Die Hollywoodikone, die auch als ausführende Produzentin an Bord ist, verkörpert wie so oft in ihrer Karriere eine Figur, die über einen optimistischen, beschwingten Eigensinn verfügt. Der mischt sich bei Harriet mit einer guten Portion Alterssturheit. Die Gründerin einer Werbefirma wurde beruflich ausgebootet, ist geschieden, hat die eigene Tochter vergrault, sich als Alleinkämpferin in eine Sackgasse manövriert. Aber es gibt ja Frauen wie Anne und kleine Mädchen wie die sozial benachteiligte Afroamerikanerin Brenda (AnnJewel Lee Dixon), die sich nach einer Mutterfigur sehnen. So bastelt sich Harriet eben eine Ersatzfamilie und findet mit ihr auf ganz neue Weise zurück ins Leben.

Zwei Beispiele zeigen, wie Shirley MacLaine dieser an sich recht konventionellen Geschichte ihren besonderen Stempel aufdrückt. Erstens, warum sollte eine alte Frau zu einem jungen Radiosender gehen und dort ein Musikprogramm moderieren wollen? Für Harriet lautet die Frage, warum nicht? Denn sie besitzt eine umfangreiche Plattensammlung und der Rock'n'Roll liegt ihr im Blut, viel mehr als der jungen Generation. Shirley MacLaine legt also auf, wippt mit Kennermiene im Takt, tanzt Seite an Seite mit der lebhaften Kinderdarstellerin, die Brenda spielt. Es sieht ganz leicht aus, wie die Generationen über die Musik zueinander finden. Die Songs schlagen einen wunderbaren Bogen vom Soul und der stets aufs Neue elektrisierenden Flower-Power-Ära bis zum HipHop.

Filmfoto: Zu guter letzt©TobisZweitens zeigt sich der typische Geist Shirley MacLaines in der wunderbaren Szene, in der Harriet, Anne und Brenda nachts in einem See baden. Als Harriet ihre ersten Schwimmzüge macht, nimmt die Kamera ihren Kopf ins Visier, das faltige Gesicht, die ruinierte Frisur. MacLaine hat keine Angst davor, denn es geht ihr um das Glücksgefühl, das Harriet in diesem Moment durchströmt. Auch Amanda Seyfrieds Spiel verdient Anerkennung, denn sie schenkt ihrer reagierenden Beziehungsrolle auf unaufdringliche Weise emotionale Tiefe.

Filmfoto: Zu guter letzt©TobisDie Kamera verliebt sich in das milde kalifornische Licht, als würde sie mit ihm der verkrachten Harriet Trost und Wärme spenden wollen. Die Handlung aber lenkt leider manchmal die Eleganz, die der Erfahrung des Alters innewohnt, bloß in die nivellierenden Bahnen des Mainstreams. So schürt auch die explizite Werbung für einen Fastfood-Anbieter, der Brendas und Annes Geschmack mehr trifft als Harriets französische Snacks, unbeabsichtigt Ängste vor dem vielbeschworenen Kulturverfall.

Kritik: Bianka Piringer

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