Volt Filmkritik

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Volt Kritik der neue Film von Tarek Ehlail mit Benno Fürmann und Sascha Alexander Gersak

Filmkritik von

Energiegeladene Vision einer verrohten Gesellschaft

Wer weiß, vielleicht erscheint die dystopische Gesellschaft, die dieser dunkle Thriller an die Wand malt, in naher Zukunft gar nicht mal so abwegig. Zu hoffen wäre das nicht, denn sie basiert auf Ausgrenzung und gleicht einem Pulverfass. Flüchtlinge müssen, sich selbst überlassen, im Elend von Transitzonen hausen. Eine Truppe schlagkräftiger Polizisten führt dort Razzien durch und sorgt für Abschiebungen.

Filmfoto: Volt©Farbfilm Verleih„Ihr habt uns in Transitzonen gesteckt, weit weg von euren schönen Häusern“, sagt der Afrikaner Hesham (Tony Harrisson Mpoudja) am Anfang. Seine Voice-Over-Stimme richtet sich direkt an die Zuschauer. „Ihr wollt uns vergessen, aber wir sind da.“ Während einer Razzia liefert er sich einen erbitterten Kampf mit dem Polizisten Volt (Benno Fürmann), der ihn schließlich erwürgt. Hätte Hesham nur vorher gewusst, wie der Ordnungshüter heißt, dann wäre er ihm wohl lieber aus dem Weg gegangen! Volt behält die Tat für sich, aber der Mord an dem Afrikaner schlägt hohe Wellen. Im Fernsehen wird von einem angeblichen Zeugen berichtet, der die Polizei beschuldigt, und im Flüchtlingscamp kommt es zu Unruhen.

Volt und seine Kollegen geraten ins Visier eines internen Ermittlers (Kida Khodr Ramadan) und beschließen aufgebracht, sich den aufwieglerischen Zeugen vorzuknöpfen. Aber Volt treiben seine Schuldgefühle nachts heimlich ins Flüchtlingslager, an den Tatort, wo er Heshams Schwester LaBlanche (Ayo) kennenlernt. Seine neue Pendlerexistenz zwischen den beiden Welten verändert ihn, was weitere Spannungen im Kollegenkreis verursacht. Lange wird er so nicht weitermachen können.

Filmfoto: Volt©Farbfilm VerleihEs ist eine raue, gewalttätige Welt, die der aus dem Saarland stammende Nachwuchsregisseur Tarek Ehlail („Chaostage – We Are Punks!“) hier entwirft. Der filmische Autodidakt hat eine bewegte Vergangenheit, ging auf Demonstrationen der autonomen Szene und zum Boxtraining. Zu seinen Freunden und Bekannten zählen Migranten der französischen Banlieues ebenso wie deutsche Polizisten. Ein paar seiner Milieu-Erfahrungen haben diese Geschichte sicherlich mitgeprägt. Aber die Filmcharaktere sind nicht nur raubeinig, sie haben das zivilisierte Benehmen auch abgestreift wie ein zu eng gewordenes Kostüm. Die fiktive Zukunftsform ermöglicht es, die Verrohung als Normalzustand und der Lage angemessen zu schildern. Volt und seine Kollegen haben Narben im Gesicht, auf den Körpern, sie scheuen nicht davor zurück, einen Menschen zu foltern. Sie sprechen von „Kanaken“, und wenn sich der Kollege von Volt verabschiedet, antwortet dieser, „du mich auch“. Zum Reden aber hat Volt niemanden, seine Einsamkeit ist grenzenlos.

Die braven Bürger, die von dieser Polizeitruppe beschützt werden müssen, kommen nicht vor, das Feld gehört allein den rebellierenden Flüchtlingen und den nervösen Ordnungshütern. Wie bei allen dystopischen Geschichten spielen Atmosphäre und Ambiente eine zentrale Rolle. Die rechtlosen Flüchtlinge hausen in leeren, vermüllten Industriehallen, wärmen sich an Lagerfeuern. Oft treibt die Schlaflosigkeit Volt hinaus in die Nacht, die Dunkelheit spielt in vielen Szenen mit. Eine immer wieder laut aufgedrehte Elektromusik hält den Adrenalinpegel im Kinosaal hoch.

Filmfoto: Volt©Farbfilm VerleihStilistisch kann diese energiegeladene filmische Ballade eher überzeugen als inhaltlich. Denn ihre düstere Zukunftsvision ist zu skizzenhaft, setzt den dramatischen Ausdruck über die Glaubwürdigkeit, bevorzugt die lauten Töne, die harten Posen, als handele es sich um einen verlängerten Videoclip. Mit dem ähnlich rauen, in Hamburg angesiedelten Gangsterfilm „Chiko“ von 2008 sollte dieser Thriller lieber nicht verglichen werden, eben weil ihm der Bezug zur Realität so deutlich fehlt.

Kritik: Bianka Piringer

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