Timm Thaler oder das verkaufte Lachen Filmkritik

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Timm Thaler oder das verkaufte Lachen Kritik der neue Film von Andreas Dresen mit Arved Friese und Justus von Dohnányi

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Ein unglücklicher Wettkönig

Timm Thaler (Arved Friese) geht mit seinem Vater oft zu Pferderennen, um zu wetten. Der Vater träumt davon, einmal mit Timm ein Brathähnchen im feinen Grand Hotel zu verspeisen. Timm liebt seinen Vater und dessen Träume, und nicht einmal die böse Stiefmutter und ihr Fiesling von Sohn können ihm die Lust zu lachen vergällen. Der böse Baron Lefuet (Justus von Dohnányi) ist der reichste Mann der Welt, aber die Fähigkeit, ansteckend zu lachen, geht ihm gänzlich ab. Deshalb nimmt er Timm auf der Pferderennbahn aufmerksam ins Visier.

Filmfoto: Timm Thaler oder das verkaufte Lachen©Constantin FilmAls Timms Vater überraschend stirbt, wünscht sich der Junge nichts sehnlicher, als einen schönen Grabstein besorgen zu können. So lässt er sich auf einen mephistophelischen Pakt mit dem Baron ein. Timm gibt ihm sein Lachen und wird von nun an jede Wette, die er abschließt, gewinnen. Sollte er einmal eine Wette verlieren, erhält er sein Lachen zurück, aber wenn er anderen von diesem Vertrag erzählt, büßt er sein Glück beim Wetten ein und gewinnt auch sein Lachen nicht zurück. Es dauert nicht lange, da erkennt der arme Junge, dass er einen großen Fehler begangen hat. Aber wie soll er sein Lachen zurückbekommen?

Der Regisseur Andreas Dresen hat einen opulenten Kinderfilm mit Märchenelementen inszeniert, der sich nicht werkgetreu an die Romanvorlage von James Krüss hält. Dort unternahm der Junge eine Schiffsreise in ferne Länder, hier spielt die ganze Handlung in einer Stadt zwischen Armenviertel, Grand Hotel und Pferderennbahn. Es scheint sich dabei wie bei Krüss um die 1920er Jahre zu handeln: Die alten Gassen mit dem Kopfsteinpflaster, die Kleidung der Charleston-Ära, die schwarzen Automobile, ja selbst schon etliche Schatten, die auf die kommende Nazizeit verweisen.

Filmfoto: Timm Thaler oder das verkaufte Lachen©Constantin FilmAn der Ausstattung wurde ersichtlich nicht gespart. Der Prunk des Grand Hotels, in dem Timm Liftboy wird, die faschistische Architektur in Lefuets Machtzentrale bieten spannende, kontrastreiche Schauwerte. Bei dem runden, hörsaalähnlichen Raum, in dem Lefuet seine Gehilfen instruiert, handelt es sich um die Fechthalle der Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin. Auch Animations- und Fantasyelemente beanspruchen die Aufmerksamkeit: So kann Lefuet seine beiden lustig-merkwürdigen Gehilfen Behemoth (Axel Prahl) und Belial (Andreas Schmidt), die etwas zu menschlich für diesen Job sind, in Ratten verwandeln.

Arved Friese spielt den Titelcharakter hervorragend. Er meistert nämlich das Kunststück, den Jungen schon bald ohne das leiseste Lächeln durch die vielen Abenteuer der Geschichte zu führen. Und sein inneres Drama, seine Sorge um das Wohl seiner Freunde, der kleinen Bäckerstochter Ida (Jule Hermann) und des Hotel-Barmanns Kreschimir (Charly Hübner), dennoch deutlich werden zu lassen.

Filmfoto: Timm Thaler oder das verkaufte Lachen©Constantin FilmHier hat sich ein erwachsener Regisseur ganz offensichtlich einen Kindheitstraum erfüllt, von dessen Ausgestaltung er gar nicht genug bekommen kann. Ein Erzähler erklärt, wie ein Gerücht entsteht, Kreschimir verliebt sich, der Baron stiehlt als moderner Kapitalist Afrikanern das Trinkwasser. Muss das denn alles sein? Wie die hübsche Auflösung zeigt, wäre es auch viel einfacher gegangen. Aber Dresen verhält sich wie ein Vater, der beim Modellbahnspielen – eine solche Anlage kommt hier auch vor – das Kind an seiner Seite vergisst. Dem jungen Publikum dürfte dieses aufgedonnerte Spektakel verwirrend vorkommen. Und die Freude an all den Nebenhandlungen und kleinen Scherzen hält sich auch in Grenzen, weil Timm eben nicht amüsiert ist und dieses Theater um ihn herum dann beziehungslos wirkt.

Kritik: Bianka Piringer

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