Tigermilch Filmkritik

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Tigermilch Kritik der neue Film von Ute Wieland mit Flora Thiemann und Emily Kusche

Filmkritik von

„Tigermilch“: Wie Jugendliche leben

Der für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominierte Roman Tigermilch wurde von Ute Wieland als Drehbuch aufbereitet und auch gleich von ihr inszeniert. Sie fühlte sich von der Direktheit, aber auch der Ehrlichkeit des Romans angesprochen, da hier eine jugendliche, aber ernste Geschichte aus einer jugendlichen Perspektive heraus erzählt wird. Nicht unähnlich Wolfgang Herrndorfs „Tschick“, der auch zum eindrucksvollen Film geworden ist.

Filmfoto: Tigermilch©Constantin FilmJameelah (Emily Kusche) und Nini (Flora Li Thiemann) sind 14 Jahre alt. Sie begreifen das Leben noch als Abenteuer, sie wollen etwas erleben, sie wollen sich entwickeln und sie wollen ihre Jungfräulichkeit verlieren. Doch das ist einfacher gesagt als getan, zumal Jameelahs großer Schwarm Lucas irgendwie so gar nicht auf sie anspringt. Aber das Mädchen hat eh ein ganz anderes Problem: Ihr droht die Abschiebung, und das, obwohl sie besser deutsch spricht als die meisten Deutschen. So könnte dies der letzte gemeinsame Sommer für Jameelah und Nini werden. Ein Sommer, nach dem nichts mehr ist, wie es einmal war.

Tigermilch – der Titel bezieht sich auf ein alkoholisches Mixgetränk, das die Protagonisten mögen – ist ein eindringlicher Film, weil er seine Coming-of-Age-Geschichte weit ehrlicher erzählt, als dies üblicherweise der Fall ist. Einerseits, weil die Geschichte nicht in der besten Gegend angesiedelt ist, andererseits, weil sehr ernste Themen aufgegriffen werden. Da ist die drohende Abschiebung, da ist aber auch der Konflikt innerhalb einer bosnischen Familie, deren Tochter einen Serben liebt. Darüber hinaus gibt es aber auch die leichten Momente, wenn Jameelah und Nini am Straßenstrich einen Freier abzocken oder wenn sie in fast noch kindlicher Naivität einen Liebeszauber sprechen.

Filmfoto: Tigermilch©Constantin FilmDas mag nicht ganz eins wirken, nicht gänzlich homogen erscheinen, aber es ist damit auch ein gutes Abbild des Lebens, das auch nicht nur in eine Richtung geht und nicht nur eine Emotion zulässt. Das ist auch die eigentliche Stärke des Films, der es schafft, nicht nur ein jugendliches Lebensgefühl heraufzubeschwören, sondern glaubhaft zu machen, dass die jugendliche Perspektive genauso ist.

Filmfoto: Tigermilch©Constantin FilmAm Bemerkenswertesten ist Tigermilch jedoch am Ende, weil hier eine Reifung stattgefunden hat. In jenem Moment, am Zaun stehend, streifen sie ihre kindliche Identität ab und werden erwachsen, weil das Verlieren von Menschen zu diesem Prozess dazugehört. Und weil dies ein Sommer war, in dem nicht nur die Unschuld, sondern auch der naive Glauben daran, dass alles gut werden kann, geendet hat. Es ist dieser Moment, in dem Jameelah und Nini erwachsen werden. Und es ist ein bitterer Moment, mit dem diese Geschichte endet.

Kritik: Peter Osteried

Ihr Kommentar: Tigermilch

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