The Limehouse Golem Filmkritik

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The Limehouse Golem Kritik der neue Film von Juan Carlos Medina mit Olivia Cooke und Sam Reid

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„The Limehouse Golem“: Wenn Mord zur Kunst wird

Mag man zuerst denken, es bei THE LIMEHOUSE GOLEM mit einem Horrorfilm zu tun zu haben, so zeigt sich schnell, dass hier ein Serienkiller-Thriller geboten ist, den man auch als „viktorianischen SIEBEN“ bezeichnen könnte. Nur dass er strukturell nicht ganz so exzellent gestaltet ist, auch wenn die hier eingeflossene Ambition schon spürbar ist.

Filmfoto: The Limehouse Golem©Concorde Filmverleih GmbHIm London des Jahres 1880 geht ein Serienkiller um, den alle nur den Limehouse Golem nennen. Es gibt kein Muster, nach dem er tötet, aber er zerstückelt die Leichen und arrangiert den Tatort um. Der Mann spielt mit der Polizei, weswegen Scotland Yard einen neuen Ermittler einsetzt: Kildare (Bill Nighy). Dieser muss nun nicht nur herausfinden, wer der Golem ist, wobei er mehrere Verdächtige, darunter einen Toten, hat, sondern zugleich eine Frau vor dem Galgen retten, die er für unschuldig hält – und die etwas mit der ganzen Angelegenheit zu tun haben könnte.

Interessant ist der Ansatz, dass der mutmaßliche Killer bereits tot ist, so dass die Genugtuung, ihn zu überführen, nur posthumer Art sein kann. Damit fehlt dem Ermittler auch ein starker Gegenspieler, denn anders als später bei Jack the Ripper gibt es kein Katz-und-Mausspiel, sondern nur die nüchterne Form der Ermittlung. Emotional aufgeladen wird diese nur, weil sie zugleich auch ein Wettrennen mit der Zeit ist.

Filmfoto: The Limehouse Golem©Concorde Filmverleih GmbHEs gibt amüsante Szenen. Etwa, wenn der Verdacht auch auf Karl Marx fällt. Davon abgesehen ist THE LIMEHOUSE GOLEM aber vor allem ein ernster, der Zeit, in der er spielt, angemessener Thriller, der praktisch zwei Geschichten erzählt. Die des Ermittlers, aber auch die der Angeklagten. Gerade letztere tritt stark in den Vordergrund, wenn ihre Lebensgeschichte nachgezeichnet wird, wodurch immer klarer wird, dass beide Ermittlungen miteinander in Verbindung stehen. Interessant ist der Ansatz, die verschiedenen Verdächtigen bei ihrer Mordtat zu zeigen. Einige werden gleich als unschuldig ausgesiebt, aber sie in der Retrospektive als Mörder zu sehen, verleiht dem Ganzen eine schaurige Komponente, weil sie alle überzeugend spielen, so dass man sich durchaus fragt, ob Ermittler Kildare überhaupt auf der richtigen Fährte ist.

Rein technisch überzeugt die britische Produktion auf ganzer Linie. Die Ausstattung, die Sets, die Inszenierung, all das ist makellos. Bisweilen zitiert Regisseur Juan Carlos Medina auch die ganz Großen, so den italienischen Maestro Mario Bava, dessen farbintensives Spiel er hier für einige Szenen nutzt, in denen Rot und Grün überwiegen und damit für gespenstische Stimmung sorgen.

Filmfoto: The Limehouse Golem©Concorde Filmverleih GmbHMit knapp zwei Stunden Laufzeit ist THE LIMEHOUSE GOLEM ein wenig zu lang geraten. Oder anders gesagt: Die erzählerische Struktur hätte etwas gestrafft werden können. Mit seiner ruhigen, den Zuschauer fordernden Erzählweise erinnert er aber wohlig an klassische, britische Gruselfilme. Das Ende fasziniert besonders, weil es mit einer Entscheidung einhergeht, die mit dem eigentlichen Thema des Films korreliert: Ob Kunst, selbst solche, die sich in Mordhandwerk äußert, nicht im Auge des Betrachters liegt, und ob diese Form der „Selbstverwirklichung“ mehr Ruhm verspricht, als es jede andere Tätigkeit tun könnte.

Kritik: Peter Osteried

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