Silence Filmkritik

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Silence Kritik der neue Film von Martin Scorsese mit Andrew Garfield und Adam Driver

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„Silence“: Martin Scorseses beeindruckendes Werk über den Glauben

Ein japanischer Christ wird mit dem Tode bedroht. Wenn er auf ein Heiligenbild tritt und seinem Glauben abschwört, darf er leben. Doch der Mann hadert mit seiner Entscheidung: Nachgeben und leben oder sich selbst treu bleiben und sterben? Das ist ein wichtiger Moment in Silence, denn er illustriert den Wahnsinn, der hier herrscht. Einerseits, weil die Herrschenden glauben, damit Glauben ausrotten zu können, andererseits, weil die gefangenen Menschen nicht dem Wunsch nachkommen. Sie alle sind Gefangene eines Symbolismus, dem mehr Bedeutung zugemessen wird, als es sollte. Denn Glauben braucht keine Rituale und Heiligenbilder – er existiert im Innern eines Menschen.

Filmfoto: Silence©Concorde Filmverleih GmbHJapan im 17. Jahrhundert: Christen werden vom Regime verfolgt, gefoltert und getötet. Pater Ferreira (Liam Neeson) soll, so heißt es, dem Glauben entsagt haben, doch das können die jungen Priester Rodrigues (Andrew Garfield) und Garrpe (Adam Driver) nicht glauben. Sie brechen nach Japan auf, um herauszufinden, was mit Ferreira passierte, aber auch um dafür zu sorgen, dass das Christentum in Japan nicht untergeht. Doch damit haben sie sich eine Aufgabe aufgebürdet, die zu groß für zwei einfache Menschen ist.

Der 1966 von Shusako Endo publizierte Roman „Silence“ wurde schon einmal zu Beginn der 1970er Jahre in Japan verfilmt. Martin Scorseses Werk benötigte fast 20 Jahre, um Wirklichkeit zu werden, weil es immer wieder an der Finanzierung haperte. Nun hat der Altmeister mit dem fast drei Stunden langen Film ein Werk abgeliefert, das ausgesprochen intensiv ist.

Filmfoto: Silence©Concorde Filmverleih GmbHWeil es sich der Versuchung verweigert, eine einseitige Sicht zu präsentieren. Einerseits auf den Glauben, aber auch auf die Menschen, die damals Gläubige verfolgt und vernichtet haben. Silence erlaubt ihnen allen ihre Haltung, ihre Perspektive, ohne sie gutzuheißen oder zu verdammen. Stattdessen befasst sich der Film mit der Frage nach dem Glauben selbst, was ihn ausmacht, wie er sich in verschiedenen Menschen manifestiert und wo die Unterschiede liegen. Er erzählt vom Zweifel, von der Stille, die kommt, wenn das Gebet unbeantwortet bleibt, aber auch von dem Unvermögen der Hauptfigur, den eigenen Hochmut zu erkennen. Denn Rodrigues träumt vom Tod als Märtyrer. Er will in Jesus‘ Fußstapfen treten, bis er erkennen muss, dass er damit nur ein Opfer des eigenen Hochmuts wird.

Das ist die eigentliche Stärke von Silence. Dass er keine absoluten Antworten hat, dass alles fließend ist, dass Gut und Böse sich überall manifestieren. Faszinierend ist dabei auch die Nebenfigur Kichijiro, der ein Christ ist, aber immer wieder nicht nur seinen Glauben, sondern auch andere verrät. In ihm zeichnet sich der Zwiespalt wieder, der auch dadurch ausgelöst wird, dass das japanische Christentum ein anderes ist als das europäische, wie Liam Neesons Figur in einer der eindrucksvollsten Szenen des Films darlegt.

Filmfoto: Silence©Concorde Filmverleih GmbHSilence ist ein ruhiger Film, der sowohl Gläubigen als auch Nichtgläubigen etwas zu bieten hat. Tatsächlich bestätigt er beider Perspektive, ohne jemals zu stark das Pendel in die eine oder andere Richtung ausschlagen zu lassen. Das ist inhaltlich enorm befriedigend, weil die Intelligenz, aber auch das Herz des Zuschauers angesprochen werden – und das mit einem Film, der von Scorsese mit Eleganz inszeniert und von Dante Ferreti bildgewaltig aufgenommen wurde.

Kritik: Peter Osteried

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