Schatz, nimm du sie Filmkritik

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Schatz, nimm du sie Kritik der neue Film von Sven Unterwaldt Jr. mit Ludger Pistor und Bejo Dohmen

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Rabeneltern im Rosenkrieg

Wenn sich Eltern scheiden lassen, heißt das normalerweise nicht, dass sie auch die Trennung von ihren Kindern wollen. Und so mündet der Rosenkrieg oft genug in einen erbittert geführten Streit um den künftigen Wohnsitz der Kleinen. In dieser Komödie von Regisseur Sven Unterwaldt („7 Zwerge – Männer allein im Wald“) kämpfen die Eltern allerdings gerade darum, die Kinder nicht zu bekommen! Diese originelle Idee stand bereits im Zentrum der französischen Komödie „Mama gegen Papa – Wer hier verliert, gewinnt“. Das deutsche Remake kann sich sehen lassen, denn es verfügt trotz der bissigen Handlung über sympathische Charaktere und verbreitet beinahe unkaputtbare Heiterkeit.

Filmfoto: Schatz, nimm du sie©Wild Bunch/Central FilmMarc (Maxim Mehmet) und Toni König (Carolin Kebekus) haben schon als Studenten gerne gestritten, wie die einleitende Szene beweist. Seither sind etliche Jahre vergangen, sie haben eine Familie gegründet – und das Feuer der Leidenschaft ist ihnen abhanden gekommen. Deshalb wollen sich der Frauenarzt und die Ingenieurin in aller Freundschaft trennen. Marc möchte für ein halbes Jahr beruflich nach Haiti gehen. Aber dann ertappt ihn Toni dabei, wie er die Krankenschwester küsst, die ihn begleiten soll. Wenn das so ist, dann sieht Toni auch nicht ein, warum sie das berufliche Angebot, auf Malta ein Windpark-Projekt zu leiten, nicht annehmen soll. Das streitende Paar beschließt, die Kinder entscheiden zu lassen, bei wem sie künftig wohnen wollen. Dabei aber hat jeder nur eines im Sinn: dem Partner eins auszuwischen.

Und so kommt es, dass die Teenager-Tochter Emma (Arina Prokofyeva) und der zehnjährige Tobias (Arsseni Bultmann) ihre Eltern auf einmal nicht mehr wiedererkennen. Sie scheinen alles zu tun, um sie loszuwerden! Mama serviert dem kleinen Veganer Mettbrötchen zum Frühstück, Papa nennt Emma vor ihren Schulkameraden „Fürzelchen“. So steigert sich der Rosenkrieg von Marc und Toni rasch in aberwitzige Höhen. Da sieht man gerne zu, auch weil dieses unkorrekte Verhalten satirisch entlarvt, wie sehr Eltern sonst zur Überfürsorge und Rücksichtnahme auf den Nachwuchs tendieren. Immer wieder gibt es herrlich witzige Dialoge, die den Familienalltag mit hohem Wiedererkennungswert aufs Korn nehmen.

Filmfoto: Schatz, nimm du sie©Wild Bunch/Central FilmDie satirische Kinderkränkung geht bis zur Schmerzgrenze des Zuschauers, aber die Komik bleibt lange Zeit im Lot. Die Charaktere scheinen das Geschehen selbst sportlich-spielerisch aufzufassen und sind entsprechend hart im Nehmen. Dass sie aber trotzdem noch realitätsnah und geerdet wirken, ist das große Verdienst dieser Inszenierung. Besonders gut macht sich unter den Darstellern Comedy-Star Carolin Kebekus, die ihrer starken Frauenfigur einnehmende Präsenz verleiht.

Dass die Geschichte als Wohlfühlkomödie konzipiert ist, zeigt sich auch an der visuellen Gestaltung. Die Kölner Skyline mit dem Rhein und dem Dom bietet ein prächtiges Panorama, in das sich die Kamera verliebt. Die Musik deckt viele Stimmungen ab, von einer herrlich treibenden Melodie, die den Spaß am Komplott schürt, bis zum nachdenklichen Titelsong „So viel mehr“ von Max Mutzke.

Filmfoto: Schatz, nimm du sie©Wild Bunch/Central FilmDamit aber auch niemand den Humor in den falschen Hals kriegt, vollzieht die Komödie am Schluss noch eine längere und ziemlich unnötige Kehrtwendung. Da wird dann all das lustvoll gegen den Strich Gebürstete wieder in die moralisch korrekte Form gebracht, als sei man dem Publikum gegenüber pädagogisch in der Pflicht.

Kritik: Bianka Piringer

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