Rückkehr nach Montauk Filmkritik

Rückkehr nach Montauk

Rückkehr nach Montauk Kritik der neue Film von Volker Schlöndorff mit Stellan Skarsgård und Nina Hoss

Filmkritik von

„Rückkehr nach Montauk“: Die Geister der Vergangenheit

Im Leben gibt es nur zwei Dinge, die wichtig sind. Die Dinge, die man getan und mit denen man jemandem wehgetan hat und die man seitdem bereut. Und die Dinge, die man nicht getan hat, obwohl man wusste, dass man sie machen sollte – und die man ebenso bereut. Das ist die Lektion, die der Schriftsteller Max Zorn (Stellan Skarsgard) von seinem Vater auf dem Totenbett erhalten hat. Das ist auch die Ausgangslage von Volker Schlöndorffs neuem Film, mit dem er nach langer Zeit wieder mal eine in der Gegenwart angesiedelte Geschichte erzählt.

Filmfoto: Rückkehr nach Montauk©Wild Bunch/(Central Film)Max hat einen Roman geschrieben, der eine wahre Geschichte erzählt. Seine Geschichte, wenn auch etwas mit Erfundenem ausgeschmückt. Mit dem Buch an der Hand kehrt er nach New York zurück, um dort Publicity dafür zu machen. Er hofft aber auch, Rebecca (Nina Hoss) wiederzusehen – jene Frau, die er einst verlassen und es seitdem stets bereut hat. Sie will ihn erst nicht sehen, überlegt es sich aber doch anders und nimmt ihn mit auf eine Reise nach Montauk, wo die Zwei glücklichere Zeiten erlebt haben.

Filmfoto: Rückkehr nach Montauk©Wild Bunch/(Central Film)Dies ist nicht die Verfilmung von Max Frischs autobiographischem Roman „Montauk“. Schlöndorff hatte mit dem Autor darüber gesprochen, als er dessen Homo Faber inszenierte, aber die Idee verworfen. Später kam sie ihm wieder, weniger als eine Adaption, sondern mehr als eine Hommage, da er eine ähnliche Geschichte in der modernen Welt erzählen wollte. Herausgekommen ist ein intensives Drama, das sich mit der Reue befasst, mit den verpassten Chancen, mit dem, was hätte sein können, aber nicht ist. Das manifestiert sich in der Hauptfigur, die zwei Frauen liebt. Clara, mit der Max zusammen ist, und Rebecca, mit der er gerne zusammen wäre. Dass dies für Max kein gutes Ende nimmt, versteht sich von selbst. Es wird aber auch vom Film getragen, der eine traurige Grundstimmung besitzt und schwermütig auf einen Mann zurückblickt, der sich als im Leben gescheitert betrachtet. Weil er seinem eigenen Anspruch nicht gerecht werden konnte.

Das spielt Stellan Skarsgard herausragend. In seinem Gesicht kann man den Schmerz dieses Mannes, aber auch seine Hoffnungen ablesen. Er ist, wie Rebecca es nennt, immer noch ein Träumer, und das nicht nur in seinen Romanen, sondern auch in der Realität.

Filmfoto: Rückkehr nach Montauk©Wild Bunch/(Central Film)Vor allem aber lebt Rückkehr nach Montauk von der Erkenntnis, dass es keine Rückkehr gibt. Es ist wie bei Thomas Wolfes Roman „Es führt kein Weg zurück“. Die Vergangenheit ist entschwunden, alles, was bleibt, sind Erinnerungen und die Geister einer besseren, einer subjektiv glücklicheren Zeit. Selbst wenn Max sein Wunsch erfüllt würde, wäre er doch schal und leer, weil er nicht dem entsprechen kann, wovon er seit fast 20 Jahren träumt. Das ist die traurige, die bittere Lektion, die der Schriftsteller im Herbst seines Lebens lernen muss.

Schlöndorff packt das in ein intensives, authentisch gestaltetes Drama, das angenehm zurückhaltend ist, während es den Zuschauer mitnimmt auf eine Reise, die vielleicht jedem von uns bevorstehen könnte …

Kritik: Peter Osteried

Ihr Kommentar: Rückkehr nach Montauk

Hinweis: Verwenden Sie selbst geschrieben Texte und kopieren Sie keinen Text von fremden Quellen. Mit dem Absenden Ihres Kommentars versichern Sie uns, dass der von Ihnen übermittelte Text nicht von anderen Webseiten oder Büchern kopiert ist und keine fremden Rechte verletzt. Bitte geben Sie Ihren Namen und Ihre E-Mailadresse (wird nicht veröffentlicht) an. Beziehen Sie sich bei Ihrem Kommentar auf die gezeigten Inhalte. Wir behalten uns vor, Kommentare nicht freizuschalten bzw. zu löschen wenn diese gegen geltendes Recht verstossen, beleidigend, Persönlich verletzend oder unsachlich sind. Kritiken.de haftet nicht für den Inhalt von Nutzerbeiträgen und verweist auf die Eigenverantwortung der Nutzer für ihre Beiträge.

Bitte aktivieren Sie Javascript um die Kommentarfunktion nutzen zu können

Einloggen
Herzlich willkommen! Um die Community nutzern zu können, melden sie sich bitte hier mit ihren Zugangsdaten an:

Facebook Login
Noch einfacher, loggen sie sich einfach mit ihrem Facebook Account ein:


Mit einem Klick auf diese Schaltfläche "Mit Facebook einloggen" akzeptieren sie die Nutzungsbedingungen und die Diskussionsrichtlinien der Ideenkraftwerk GmbH. Sie garantieren das sie diese gelesen und gespeichert oder ausgedruckt haben.


Passwort vergessen
Wenn Sie ihr Passwort vergessen haben können sie hier ein neues anfordern, geben sie dazu ihre E-Mail adresse hier ein:

Neu registrieren
Sie haben noch keinen Account bei Kritiken.de? Dann registrieren sie sich jetzt kostenlos, um die Community zu nutzen!