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Nichts zu verschenken Kritik der neue Film von Fred Cavayé mit Dany Boon und Laurence Arné

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Ein Geizhals im Stresstest

Wie bringt man einen notorischen Geizhals dazu, sich zu ändern? Eine Möglichkeit wäre vielleicht, ihn als großzügigen Mann zu preisen. So könnte er die Vorteile dieser unbekannten Eigenschaft genießen: die Dankbarkeit statt des gewohnten Ärgers seiner Mitmenschen, ihre Bewunderung statt wie üblich Hohn und Spott. Eine solche Rollenumkehrung widerfährt François Gautier (Dany Boon), der Hauptfigur dieser französischen Komödie. Eines Tages tritt nämlich seine 17-jährige Tochter Laura (Noémie Schmidt), von deren Existenz er gar nichts wusste, in sein Leben. Das Mädchen himmelt ihn regelrecht an, glaubt es doch irrtümlich, der Vater kümmere sich aufopfernd um Waisenkinder in Mexiko.

Filmfoto: Nichts zu verschenken©Wild Bunch/Central FilmDass sich Laura bei ihm einquartiert, verursacht dem Geigenspieler François jedoch vor allem Stress. Die Tochter macht in allen Räumen das Licht an und duscht warm! Dem Mann droht aber noch von einer zweiten Seite Ärger. Zwar registriert er gerne, dass Valérie (Laurence Arné), die neue Cellistin des Orchesters, ihn attraktiv findet. Aber nun kommt er nicht darum herum, sie ins Restaurant einzuladen – und schon steuert die Geschichte auf ein lustiges Zitat aus dem Horrorklassiker „Shining“ zu.

Regisseur Fred Cavayé („Ohne Schuld“) hat bislang nur Thriller gedreht. In seiner ersten Komödie trägt er den possenhaften Humor etwas dick auf. Auch liegt ihm ein zügiges Tempo, das aber in Form der sketchhaften Hopplahopp-Dramaturgie ein recht holpriges Vergnügen bietet. Genüsslich wird in kurzen Beispielen aufgeführt, wie grotesk François' Sparmacke ist. Der Mann hat nur einen Tweed-Anzug, seine elterliche Wohnung ist noch im Stil der Siebziger eingerichtet, er isst abgelaufene Lebensmittel.

Filmfoto: Nichts zu verschenken©Wild Bunch/Central FilmSeine Knauserigkeit hat François zum sozialen Außenseiter gemacht, der nur einen Vertrauten und Freund hat: seinen Banker. Diese von Christophe Favre gespielte, schmächtige Nebenfigur mit dem großen Herzen entpuppt sich als eine der besten Erfindungen des Drehbuchs. Denn der Banker dient François auch als Psychotherapeut – vom wem sonst würde sich ein Geizhals etwas sagen lassen? Hauptdarsteller Dany Boon wiederum beweist einmal mehr sein komödiantisches Talent. Er schafft es spielend, den Sparfanatiker als sympathischen, irgendwie fehlgeleiteten Kerl zu interpretieren. Und in seiner Miene zu spiegeln, dass sich hinter seinem Verhalten dramatische Ängste verbergen.

Der Film bietet auch eine herrliche Kostprobe musikalischen Humors. Als erster Geiger hetzt François das Orchester einmal in höllischem Tempo durch ein Vivaldi-Konzert, weil er schnell nach Hause will. Mit dieser hyperaktiven, ins Irreale weisenden Szene weckt der Film Erinnerungen an den großen Hektiker Louis de Funès. Er diente Regisseur Cavayé wegen seiner Rolle in „Louis der Geizkragen“ nach dem Stück von Molière sowieso gewissermaßen als Referenz.

Filmfoto: Nichts zu verschenken©Wild Bunch/Central FilmSeiner oft plumpen Komik zum Trotz steuert der Film emotionale Tiefe an. Der Held muss natürlich eine Wandlung durchlaufen, will er die beiden neuen Frauen in seinem Leben nicht verlieren. Bis zum finalen Twist bewahrt sich die Handlung dennoch eine gewisse Unvorhersehbarkeit. Sie passt zu François' innerem Kampf, bei dem mal das Neue, dann wieder der abrupte Rückfall triumphieren. Übrigens dürften sich auch Leute, die mit Freude Rabattmarken sammeln, vielleicht ein klein wenig in François wiedererkennen. Denn mit ihm gestattet sich der Film ja auch ein paar hübsche Seitenhiebe auf den nicht wirklich rational begründbaren Sparsinn vieler Wohlstandsbürger.

Kritik: Bianka Piringer

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