Moonlight Filmkritik

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Moonlight Kritik der neue Film von Barry Jenkins mit Mahershala Ali und Shariff Earp

Filmkritik von

Die sinnliche Seite der Traurigkeit

Im Mondlicht schimmern schwarze Jungs blau, hat eine alte Frau einmal zu Juan (Mahershala Ali) gesagt. Das erzählt der Drogendealer dem zehnjährigen Chiron (Alex Hibbert) weiter. Blau heißt im Englischen auch traurig, und dieses Gefühl kennt Chiron nur zu gut. Wenn er am Meeresstrand von Miami steht, vermischt sich seine Traurigkeit mit dem Licht, den Elementen der Welt um ihn herum. Seine bläulich schimmernde Haut lässt ihn dann spüren, dass er ein Teil dieser unergründlichen Kraft des Lebens ist. Das für acht Oscars nominierte Drama von Regisseur Barry Jenkins erzählt eine typische Biografie eines afroamerikanischen Jungen aus prekären Verhältnissen. Und doch erzählt es sie ganz anders als gewohnt. Ohne reißerische Töne widmet es sich einfühlsam dem Innenleben dieses Charakters.

Filmfoto: Moonlight©DCM Film DistributionMit einer präzisen, eleganten Dramaturgie schlägt der Film einen Bogen über drei Episoden aus dem Leben Chirons. Dieser wird von drei verschiedenen Darstellern als Zehnjähriger, 16-Jähriger (Ashton Sanders) und erwachsener Mann Anfang 30 (Trevante Rhodes) gespielt. Der Zehnjährige, von allen Little genannt, ist bei seiner alleinerziehenden Mutter Paula (Naomie Harris) unglücklich und wird von anderen Kindern gepiesackt. Da lädt ihn der Dealer Juan manchmal in sein Haus, bringt ihm das Schwimmen bei und bietet ihm mit seiner Freundin Teresa (Janelle Monáe) stundenweise eine Ersatzfamilie. Paula, die Crack bei Juan kauft, reagiert mit Eifersucht.

Sechs Jahre später ist die süchtige Mutter körperlich und seelisch ein Wrack und treibt Chiron an den Rand der Verzweiflung. In der Schule wird er heftig gemobbt. Dann entdeckt er mit dem Mitschüler Kevin seine Homosexualität, aber die Episode nimmt kein gutes Ende. Viele Jahre später fährt der muskulöse Chiron, eine Goldkette um den Hals, in seinem PS-starken Auto durch Atlanta. Eines Nachts ruft plötzlich Kevin bei ihm an und lädt ihn auf einen Besuch ein.

Filmfoto: Moonlight©DCM Film DistributionChirons Markenzeichen ist seine Wortkargheit. Schon von klein auf belastet den Jungen so viel, was er nicht ändern kann. Jenkins skizziert das Drama der Mutter-Kind-Beziehung knapp, aber effektiv und bringt es in einer kurzen Szene, die sich ohne Ton abspielt, herzzerreißend auf den Punkt. Alle drei Darsteller Chirons spielen mit einer phänomenalen, stillen Ausdruckskraft. Immer sind es die weichen, zärtlichen Momente, die Chiron wachsen lassen. Der starke Kontrast der schlimmen und der glücklichen Erlebnisse wirkt nicht nur berührend, sondern auch sehr realistisch.

Die Bildgestaltung und die Kameraarbeit in Cinemascope sind sehr impressionistisch, als würde sich Chiron selbst über die Schulter schauen. Als er zum Schwimmen geht, schwappen die Wellen munter auf Kamerahöhe, manchmal bis zum oberen Bildrand. Das Licht, die schillernden Farben mit den vielen Blautönen, die zu hellen Flecken verwischten Straßenlaternen verlocken dazu, die Sinne auf Entdeckungsreise zu schicken. Die Musik mit ihren Cello-, Geigen- und Klavierklängen wirkt oft verfremdet und spiegelt so Chirons inneren Aufruhr.

Filmfoto: Moonlight©DCM Film DistributionUnd dann gibt es diesen wunderbaren Moment, als der Erwachsene in seinem Wagen über den Highway gleitet, langsam und stetig wie durch einen heilsamen Traum. Dazu erklingt der magisch-zärtliche Gesang von „Cucurrucucú Paloma“. Dieses so leicht hingetupfte filmische Meisterwerk erzählt vom Aufwachsen in einem bestimmten Milieu, aber auch ganz allgemeingültig davon, was einem Menschen Hoffnung verleiht.

Kritik: Bianka Piringer

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