Get Out Filmkritik

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Get Out Kritik der neue Film von Jordan Peele mit Allison Williams und Daniel Kaluuya

Filmkritik von

Ein Blick in weiße Abgründe

Das Horrorfilmgenre hat naturgemäß ein eher schwieriges Verhältnis zur Wirklichkeit. Auch im Regiedebüt des amerikanischen Schauspielers Jordan Peele schleichen zwielichtige Gestalten durch ein altehrwürdiges Gemäuer draußen am Waldrand. Und es bahnen sich surreale Dinge an, die uns daran erinnern, dass wir kaum verhüllte irrationale Ängste mit uns herumschleppen. Peele gibt dem albtraumhaften Geschehen aber ein erfrischend satirisches Gewand. Vor allem widmet sich der Horror, der nicht nur Komödie und trotzdem oft lustig ist, hier einem sehr realen Gespenst der amerikanischen Gesellschaft. Es ist der Rassismus, der tiefe Wurzeln hat, der auch unter einem liberalen Deckmäntelchen weiterschwelen kann und der wieder ausbricht, wenn man ihn schon fast überwunden glaubte.

Filmfoto: Get Out©Universal Pictures Germany GmbHDer afroamerikanische Fotograf Chris (Daniel Kaluuya) und seine weiße Freundin Rose (Allison Williams) sind ein fröhliches New Yorker Paar. Aber als sie ihn zu einem Wochenendbesuch auf dem Land bei ihren Eltern animiert, fragt er auf einmal besorgt, ob die Eltern denn wüssten, dass er schwarz sei. Rose verneint, sie kennt solche Bedenken gar nicht und versichert Chris, dass ihr Vater liebend gerne Obama ein drittes Mal gewählt hätte. Doch auf der Fahrt durch die Wälder geschieht ein Wildunfall, ein böses Omen, und der weiße Polizist verlangt Chris' Ausweis, obwohl er nur Beifahrer war.

Roses Eltern sind liberale und wohlhabende Intellektuelle, die Chris herzlich willkommen heißen. Aber im Garten arbeitet ein schwarzer Mann und in der Küche steht die farbige Haushälterin. Es gibt doppeldeutige Bemerkungen, Chris beschleicht ein diffuses Gefühl des Unwohlseins. Langsam, ganz langsam, so dass man ihn immer noch für eine ironische Anspielung auf seine mitgebrachten Ängste halten könnte, zieht der Horror die Schlinge fester um seinen Hals.

Filmfoto: Get Out©Universal Pictures Germany GmbHPeele macht es großen Spaß, mit Genrezutaten zu jonglieren und ihr Gewicht dabei konsekutiv zu steigern. Zwar sieht man den Himmel nicht, wenn Chris mit Rose und ihrer Familie vor dem Haus stehen. Aber das Licht verweist darauf, dass er sehr bedeckt sein muss – keine gute Voraussetzung für die Stimmung auf der bevorstehenden Party zu Ehren des toten Großvaters. Die beiden schwarzen Bediensteten verhalten sich wie ferngesteuert, was Erinnerungen an „Die Frauen von Stepford“ weckt. Und Roses Mutter Missy (Catherine Keener), die als Psychotherapeutin arbeitet, möchte den armen Chris unbedingt hypnotisieren.

Der Horror funktioniert hervorragend, nicht nur wenn es Jump Scares und später Splattereinlagen gibt. Sondern auch zum Beispiel in der beklemmenden Poesie, mit der Chris' Erleben unter Hypnose geschildert wird. Die Filmmusik spiegelt den inhaltlichen Brückenschlag zwischen Genretradition, die bis zu Hitchcock reicht, und der witzigen Coolness, wie sie Chris und Rose als moderne Charaktere verkörpern. Mal erklingen angestaubt wirkende Melodien, mal wird es schräg und dissonant oder in schnellem Rhythmus auch sehr laut.

Filmfoto: Get Out©Universal Pictures Germany GmbHDie visuelle Gestaltung ist eine Fundgrube für Komik, viele Details werden bewusst als Winke mit dem Zaunpfahl gestreut. Die weißen Gäste der Gartenparty fahren in schwarzen Limousinen vor, wie mächtige Strippenzieher. Wer weiß schon, für welche Tradition sie stehen, oder was die Hirschtrophäe an der Zimmerwand über den Geist sagt, der in Roses Elternhaus herrscht? Hüte dich vor dem Ewiggestrigen, warnt der Filmtitel Chris, aber Peele geht mit diesem Charakter und den Zuschauern den gegenteiligen Weg. Er entlarvt mit treffendem Witz, wie degeneriert das rassistische Gedankengut ist.

Kritik: Bianka Piringer

Ihr Kommentar: Get Out

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