Empörung Filmkritik

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Empörung Kritik der neue Film von James Schamus mit Sarah Gadon und Logan Lerman

Filmkritik von

Ein Rebell auf verlorenem Posten

Marcus Messner (Logan Lerman) hätte allen Grund, sich auf sein neues College in Winesburg, Ohio zu freuen. Es ist nämlich weit genug weg von Newark in New Jersey und seinem Vater, der ihn aus lauter Angst, dass ihm etwas zustoßen könnte, ständig überwacht. Es ist das Jahr 1951, die USA befinden sich im Koreakrieg, und wer aufs College geht, ist erst einmal vor der Einberufung sicher. Aber als Marcus in Winesburg ankommt, fällt auf, wie melancholisch die Filmmusik von Jay Wadley klingt. Da ist nichts von Aufbruchstimmung zu spüren, von Vorfreude auf das lustige Studentenleben und eine selbstbestimmte Zukunft.

Filmfoto: Empörung©Warner Bros./X-VerleihDas Drama, mit dem Drehbuchautor und Produzent James Schamus („Der Eissturm“) sein Regiedebüt gibt, unternimmt mit Marcus eine Entdeckungsreise in den repressiven Geist der 1950er Jahre. Eine paranoide, schmerzliche Atmosphäre nimmt ihren Anfang, wenn der Ich-Erzähler Marcus, der sich an Winesburg erinnert, von eigenen Entscheidungen mit fataler, ja tödlicher Wirkung spricht. Schamus hält sich eng an den gleichnamigen Roman von Philip Roth, zu dem sich der Schriftsteller von seiner eigenen College-Zeit inspirieren ließ.

Marcus kommt aus einem jüdischen Elternhaus, bezeichnet sich aber als Atheist. In Winesburg wird eine solche Einstellung jedoch nicht wirklich toleriert. Marcus will gar nicht glauben, dass hier alle Studenten mindestens 40-mal am christlichen Gottesdienst teilnehmen müssen, um sich für den Abschluss zu qualifizieren. Dekan Caudwell (Tracy Letts) legt Wert darauf, dass seine Studenten die richtige Gesinnung haben, sich in die Gemeinschaft einordnen, auch sozial gebildet werden.

Filmfoto: Empörung©Warner Bros./X-VerleihEs sind noch fast zwei Jahrzehnte bis zur Studentenrevolte, aber das strenge Regelwerk von Winesburg wirkt bereits schrecklich antiquiert. Dekan Caudwell und Marcus liefern sich ein messerscharfes Wortgefecht, das zum Höhepunkt des Films gerät. Logan Lerman stellt dabei großartig dar, wie Marcus kämpft, sich als guter Debattierer und Intellektueller beweisen will und emotional furchtbar in Bedrängnis gerät. Es ist die Zeit, in der Rebellen auf verlorenem Posten stehen.

Das wird auch die blonde Studentin Olivia Hutton (Sarah Gadon) merken, mit der Marcus ausgeht und die in sexueller Hinsicht die Initiative ergreift. Die sexuelle Revolution ist noch weit, auf dem Campus herrscht Zucht und Ordnung, und das Schlimmste, was einer jungen Frau passieren kann, ist, ihren Ruf zu verlieren. Olivia bringt Marcus an seine Grenzen und führt ihm vor Augen, dass er eben nicht nur ein Freigeist, sondern auch ein Kind seiner Zeit ist. Die romantische Beziehung dieser beiden Außenseiter, die schnell in Turbulenzen gerät, verleiht dem Film die Qualitäten eines aufwühlenden Melodrams.

Filmfoto: Empörung©Warner Bros./X-VerleihUnd ein Melodram alter Schule schwebt der stilvollen Inszenierung auch erkennbar vor. Wenn Marcus und Olivia mit dem Auto fahren und die Kamera sie frontal von außen betrachtet, oder wenn man wie ein Passagier auf dem Rücksitz beobachten kann, wie sich die beiden Köpfe einander zuwenden, fühlt man sich direkt in einen Film aus der goldenen Hollywood-Ära zurückversetzt. Die Ausstattung erweckt die Epoche facettenreich zum Leben, zum Beispiel mit Olivias Strickjäckchen oder dem dunklen Mobiliar in Marcus' Elternhaus. Oft mangelt es etwas an Licht, wodurch auch wiederum auf die innere Not dieser beiden jungen Menschen verwiesen wird. Dem bewegenden Film gelingt es ähnlich glaubwürdig und kraftvoll wie dem Roman selbst, die aus sittlicher Kontrolle erwachsende Beklemmung heraufzubeschwören, die den großen Umwälzungen der 1960er vorausging.

Kritik: Bianka Piringer

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