Churchill Filmkritik

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Churchill Kritik der neue Film von Jonathan Teplitzky mit Brian Cox und Miranda Richardson

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„Churchill“: Imposantes Protokoll weniger Tage

Vielen gilt Winston Churchill als der größte Brite, der je gelebt hat. Filme über ihn gibt es einige, aber nur wenige konzentrieren sich auf eine derart kurze Phase im Leben eines Menschen. Hier sind es nur wenige Tage.

Die Operation Overlord steht bevor. Alles ist vorbereitet, damit die Alliierten in der Normandie landen und eine weitere Front im Kampf gegen die Deutschen eröffnen können. Aber Winston Churchill, der britische Premier, ist unsicher. Er hat ein solches Unterfangen schon einmal im Ersten Weltkrieg erlebt – und gesehen, zu welch einem Desaster und Massaker das ausarten kann. Er fürchtet, dass Hunderttausende Alliierte sterben und der Krieg eine verhängnisvolle Wende nehmen könnte. Aber niemand will auf ihn hören. Churchill bleiben nur wenige Tage bis zum D-Day.

Filmfoto: Churchill©Universum / SquareOne / DCMEs ist die Ironie der Geschichte, dass Churchill falsch lag und die Invasion gelang, womit dem Krieg eine Wende gegeben wurde. Es war der Anfang vom Ende für das Dritte Reich. Interessant ist aber natürlich, mit welchen Gewissenswissen Churchill zu kämpfen hatte. Weil er nicht den Tod so vieler eigener Soldaten verantworten wollte. Es ist wie ein Mühlstein, der um seinen Hals hängt – und so wie Brian Cox das spielt, hat man das Gefühl, einen Mann zu sehen, der davon fast erdrückt wird, das aber nicht zulassen kann. Churchill wird dabei nicht als unfehlbarer Held gezeigt. Er ist ein Mann mit Ecken und Kanten, vor allem aber auch ein Mann, auf dem immens viel lastete und der sich darum nicht nur mit der eigenen Frau, sondern auch den Kommandeuren der Armee rieb. Zugleich war er ein Mann, der sicher war, dass er richtiglag, was zusätzlich zu seiner Last beiträgt, da er überlegt, wie er dem eigenen Volk Hoffnung machen kann, selbst wenn das Unterfangen misslingt.

Filmfoto: Churchill©Universum / SquareOne / DCMChurchill ist ein sehr imposanter Film, und das nicht nur, weil er so exakt gestaltet ist und das Jahr 1944 wiederauferstehen lässt, sondern auch, weil Brian Cox hier eine Altersrolle gefunden hat, in der er die ganze Bandbreite seines Könnens zeigen kann. Er schafft es, Churchill als einen Mann zu zeigen, der auch im hohen Alter noch lernen muss. Dass er als Premier nicht mehr mit den Soldaten auf dem Schlachtfeld sein kann, aber dass die Bürde eines Kommandeurs die ist, mit einem schweren Gewissen weiterzuleben. Es gibt hier eine großartige Schlüsselszene, in der Churchill sich in einem depressiven Schub zurückzieht, aber von seiner Sekretärin zurückgeholt wird. Hier hat sich der Film natürlich dramatische Freiheit erlaubt, diese sorgt aber für einen großartigen Moment.

Herausragend ist auch James Purefoy, der den König spielt. Er hat nur zwei Szenen, eine davon ist aber wirklich großartig, als er Churchill aufsucht und ihm klarmacht, dass Männer wie sie weiterleben müssen, auch wenn es unendlich schwer ist.

Churchill ist sehenswertes Historienkino, das spannend und dramatisch Geschichte lehrt, ohne jemals langweilig zu sein – und der Film mündet in einer dramatisierten Version der Rede, die Churchill nach der erfolgreichen Landung hielt.

Kritik: Peter Osteried

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